Übernahme von Hutchison-Essar: Vodafone wendet sich Indern zu

Übernahme von Hutchison-Essar
Vodafone wendet sich Indern zu

Über Jahre hinweg war Deutschland der größte Einzelmarkt unter den 27 Ländern, in denen Vodafone aktiv ist. Doch das wird sich bald ändern. Der britische Mobilfunker hat in Indien zugekauft und dafür Milliarden auf den Tisch gelegt. Im Vergleich zur Übernahme von Mannesmann vor sieben Jahren nimmt sich das Geschäft aber geradezu winzig aus.

DELHI. Vodafone übernimmt mehrheitlich den indischen Mobilfunker Hutchison-Essar, wie die Briten am späten Sonntagabend mitteilten. Der Kauf unterstreicht einen von Vodafone-Chef Arun Sarin verordneten Strategiewechsel: Der gebürtige Inder mit amerikanischem Pass steuert seinen Konzern weg vom gesättigten Westen und nimmt entschieden Kurs auf Schwellenländer.

Dazu hat er die teuerste Übernahme seit seinem Antritt 2003 eingefädelt, und zugleich die wichtigste seit dem 190 Mrd. Euro teuren Kauf des Düsseldorfer Mischkonzerns Mannesmann im Jahr 2000. Exponenzielle, langfristig hohe Wachstumsaussichten haben aber auch heute ihren Preis: 11,1 Mrd. Dollar muss Vodafone für eine Mehrheit an Hutchison Essar Ltd. aufbieten. Das Gebot bewertet Indiens viertgrößten Mobilfunker mit insgesamt 19 Mrd. Dollar. Ohne einen zunächst befürchteten langwierigen Bieterwettstreit stach Vodafone damit die Hinduja-Gruppe und den Lokalrivalen Reliance Communications aus. Dieser hätte sich bei einem Sieg zum unangefochteten Marktführer aufgeschwungen. Diese Position besetzt weiterhin Bharti Airtel.

Millionen Inder kaufen sich ein Handy

Hutchison Essars Umsatz wächst jedes Jahr um die Hälfte, und dank einer kaufkräftigen Premium-Kundschaft generiert das Unternehmen Indiens höchste Einnahmen pro Nutzer. Vor allem bekommt Vodafone mit der neuen Tochter 24 Millionen Kunden und 16 Prozent an dem am schnellsten wachsenden Mobilfunkmarkt der Welt: Jeden Monat kommen in Indien insgesamt 6 Millionen Kunden hinzu. Davon angelt sich Hutch 1 Million. Bald wird daher die Zahl der indischen Vodafone-Kunden die der 30 Millionen deutschen übersteigen.

„Indien bietet riesiges Wachstumspotential“, begründet Sarin den Deal, „erst 13 Prozent der Bevölkerung haben Telefon.“ Er streicht den Einstieg in Indien als Paradebeispiel für seine Wachstumsstrategie in Schwellenländern heraus und folgert: „Wir haben den Konzern fantastisch neu positioniert.“

Analysten sind allerdings gespaltener Meinung darüber, ob ein strategisch von den meisten als richtig bewerteter Schritt zu teuer erkauft ist oder nicht. Nicht zum ersten Mal werfen Skeptiker Sarin vor, überbezahlt zu haben: Zuletzt musste er sich Kritik stellen, als er für den türkischen Mobilfunker Telsim im Vorjahr 4,5 Mrd. Dollar hinlegte. Daraus errechnen sich 500 Dollar pro Kunden.

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