Übernahmegerüchte um Telefónica
Telekomriese AT&T ist auf Brautschau

Gerüchte über eine Offerte für den spanischen Telekomkonzern Telefónica versetzten die Märkte in Aufruhr. Die Amerikaner wollen in Europa wachsen, aber die Regierung in Madrid dürfte den 70-Milliarden-Deal verhindern.
  • 2

MadridTelefónica hat einen Bericht über ein 70 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot des US-Konkurrenten AT&T zurückgewiesen. Wir haben weder eine Anfrage erhalten noch eine mündliche oder schriftliche Interessensbekundung, sagte ein Sprecher des spanischen Telekommunikationskonzerns am Montag. Die Aktie des hochverschuldeten Unternehmens stieg aber als Reaktion auf die angebliche Offerte dennoch um drei Prozent und war damit der größte Gewinner im spanischen Leitindex.

Im Sog legten auch die europäischen Rivalen zu. Die Papiere der deutschen Telefónica-Tochter O2, von Deutscher Telekom, Telekom Austria, France Telecom, Telecom Italia und Vodafone gewannen bei meist überdurchschnittlichen Umsätzen zwischen 1,2 und 4,4 Prozent. Der Branchenindex legte 1,9 Prozent zu.

Die Zeitung El Mundo berichtete unter Berufung auf mit der Sache vertraute Kreise, ein AT&T-Vertreter habe der spanischen Regierung den Plan vorgestellt, Telefónica zu kaufen und die Schulden von 52 Milliarden Euro zu übernehmen. Die Regierung habe die Offerte für den ehemaligen Staatskonzern jedoch blockiert.

AT&T hält Ausschau nach Wachstumsmöglichkeiten in wichtigen europäischen Märkten, um das schwache Wachstum am Heimatmarkt aufzufangen. Spaniens Industrieminister José Manuel Soria sagte im staatlichen Fernsehen, dass er einen Verantwortlichen von AT&T im Februar getroffen habe und dieser erklärte, dass der US-Konzern sich in Europa umschaue. Der Manager habe aber kein Wort über Telefónica gesagt, sagte Soria. Vor einigen Monaten war auch die E-Plus-Mutter KPN in Medienberichten als möglicher Übernahmekandidat von AT&T ins Spiel gebracht worden.

Für große Telekommunikationskonzerne könnten sich Übernahmen von europäischen Rivalen nach Expertenansicht bezahlt machen. Doch halten es einige für unwahrscheinlich, dass solche Übernahmen von den Wettbewerbsbehörden genehmigt würden. Einige Konzerne, wie die Deutsche Telekom, seien schlicht zu groß.

Auch Fusionen zwischen den großen europäischen Konkurrenten scheinen nicht zu gelingen. Weil der Preiskampf in der Branche groß ist und die notwendigen Investitionen in neue Netze und Techniken große Summen auffressen, sind derzeit unter den europäischen Konkurrenten Kooperationen oder die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur en vogue. So nutzen etwa Vodafone und Telefónica in Deutschland das VDSL-Netz der Deutschen Telekom.

Ein Einstieg von AT&T könnte eines von Telefónicas größten Problemen - der immense Schuldenberg - lösen. Um diesen bis Jahresende wenigstens auf höchstens 47 Milliarden Euro zu senken, brachten die Spanier etwa voriges Jahr ihre deutsche Tochter O2 an die Frankfurter Börse und nahmen damit 1,45 Milliarden Euro ein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Übernahmegerüchte um Telefónica: Telekomriese AT&T ist auf Brautschau"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Gut für AT&T, dass(wenn) der Deal nicht zu Stande kommt. Übernahmen mit solchen Aufschlägen rentieren sich sogut wie nie... Wenn sie Mittel über haben, sollten sie lieber (ohne Aufschlag) eigene Aktien zurückkaufen.

  • Ne, stattdessen pumpt man lieber weiterhin deutsche Steuergelder in europäische Pleitestaaten, damit die ihre marode Wirtschaft wieder aufbauen können.

    Uns als Deutschen wird dies dann wieder als 'Verantwortung' und 'Aufbau eines historischen Friedensprojekts' verkauft.

    Wie war das eigentlich bei Hochtief?

    Gab's da Schutz von der deutschen Politik?

    Man sieht ja nun, was die Spanier aus Hochtief gemacht haben.

    Runtergewirtschaftet. Selbst jetzt, wo es so offensichtlich ist, wollen das Einige noch immer nicht einsehen.

    Daran erkennt man Betonkopfe, absolute Pfeifen und Realitätsverweigerer an den Schaltzentralen des politischen Apparates in Deutschland.




    ________________

    Übrigens:

    Heute gedenkt Frau Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel in Berlin den Opfern des Volksaufstandes in der DDR 1957.

    Dazu sagte sie: "Die Unzufriedenheit der Bürger und deren Mut hat dazu geführt, sich gegen ein Unterdrücker System zur Wehr zu setzen".

    Wem, außer mir, schoss es da auch sofort in den Kopf, dass vielleicht in paar Jahren wieder die Bürger gegen ein Unterdrücker System auf die Straße gehen.

    Ein Unterdrücker System mit Namen EU.

    Zieht euch warm an.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%