Übernahmeinteresse
Unbekannter greift nach Reuters

Die Nachrichtenagentur Reuters ist ins Visier eines Kaufinteressenten gerückt. Nachdem Gerüchte an der Börse zu Kurssprüngen geführt hatten, bestätigte der Vorstand eine „erste Kontaktaufnahme“. Nun wird spekuliert, wer der Unbekannte ist. Und gleich taucht ein prominenter Name auf.

HB LONDON. Es habe eine erste Kontaktaufnahme seitens einer dritten Partei gegeben, teilte der Vorstand am Freitag in London mit. Es sei allerdings noch völlig offen, ob ein förmliches Übernahmeangebot folge. Reuters reagierte mit der Mitteilung auf Gerüchte, die am Morgen in London zu Kurssprüngen von zwischenzeitlich mehr als 30 Prozent führten.

Auf der Suche nach dem großen Unbekannten fällt ein sehr bekannter Name: Rupert Murdoch. Erst am Dienstag hatte der Medienmogul eine Übernahmeofferte für den Reuters-Konkurrenten Dow Jones vorgelegt, ist damit aber bisher abgeblitzt. Für Dow Jones, die unter anderem die gleichnamige Nachrichtenagentur betreibt und das „Wall Street Journal“ herausgibt, offeriert News Corp in dem von ihr als freundlich beurteilten Gebot rund fünf Milliarden Dollar. Die US-Gesellschaft sprach ihrerseits von einer nicht abgesprochenen Offerte und lehnt diese ab.

Die Satzung von Reuters beinhaltet einen Passus, der durch Begrenzung der Beteiligung an dem Unternehmen die journalistische Integrität sicherstellen soll. Analysten zufolge schützt dies den Konzern aber nicht vor einer Übernahme. Laut Internetseite von Reuters darf niemand 15 Prozent oder mehr an der Gesellschaft halten. Sollte diese Grenze überschritten werden, dann müsse das Management von Reuters die Person auffordern, Aktien zu verkaufen, um wieder unter den Schwellenwert zu kommen.

Außer der News Corp wurde im Handel auch die Thomson Corp als potenzieller Bieter genannt. Nach Einschätzung des Brokerhause Numis Securities wäre Reuters insbesondere für Thomson Corp von Interesse.Thomson und Reuters würden gut zusammen passen, heißt es. Die Analysten sehen in einer Transaktion erhebliches Synergie-Potenzial. Fundamental betrachtet seien Reuters bei 487 p fair bewertet, inklusive einer Prämie erhöhe sich dieser Wert auf 600 p. Thomson war nicht unmittelbar für eine Stellungnahme zu erreichen, Reuters wollte sich zu dem Thema nicht äußern

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Der Reuters-Konzern mit knapp 17 000 Beschäftigten – davon rund 2 400 Journalisten, Fotografen und Kameraleute – erzielt rund 90 Prozent seiner Erlöse mit dem Verkauf von Daten und Nachrichten an Finanzhäuser, Medien, Firmen und Behörden. Nach Jahren der Krise im Zuge des Abschwungs an den Börsen seit dem Jahr 2001 und den daraus resultierenden massiven Einsparungen in der Finanzindustrie ist Reuters zuletzt auf Wachstumskurs zurückgekehrt. 2006 stiegen die Umsätze um 6,5 Prozent auf umgerechnet 3,8 Milliarden Euro. Der operative Gewinn belief sich auf 456 Millionen Euro.Für 2007 peilt Reuters ein organisches Umsatzwachstum von mindestens sechs Prozent an.

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