Übernahmekrieg
Blumenkinder gegen Businesslogik

Eineinhalb Wochen nach Beginn des Übernahmekrieges macht sich bei Yahoo Panik breit. Weiße Ritter, Giftpillen und "ABM": Das Vokabular im Kampf Yahoo versus Microsoft wird härter, denn der Software-Gigant schreckt auch vor einer feindlichen Übernahme nicht zurück. Yahoo wehrt sich – aber auf einen Titanen-Kampf wie diesen ist das Internetunternehmen nur schlecht vorbereitet.

SAN FRANCISCO/SUNNYVALE. Dieser Anruf erwischt Yahoo-Chef Jerry Yang kalt. Auf dem Rückweg von einem Routinemeeting an einem ereignislosen Spätnachmittag passt ihn seine Assistentin mit der Nachricht ab: "Steve Ballmer ist am Telefon." Es ist kurz nach Börsenschluss.

Ballmer, der kampferprobte CEO von Microsoft, eröffnet Yang kurz und knapp, dass er Yahoo übernehmen wolle. Punkt.

Diese Vorwarnung wird die letzte Freundlichkeit Ballmers sein: Der größte Übernahmekrieg in der Geschichte des Silicon Valley ist eröffnet. Und nun, anderthalb Wochen später, macht sich auf dem Traumschiff namens Yahoo - das schon geraume Zeit mit Schlagseite dahindümpelte - Panik breit.

Am Freitag, 1. Februar, dem Tag nach Ballmers Anruf, landet eine lange E-Mail in Jerry Yangs Postfach. Sie geht zugleich auch an Aufsichtsrat, Presse und Börsenaufsicht. Absender: Microsoft. Inhalt: Versprechungen über eine goldene gemeinsame Zukunft der beiden Unternehmen. Und das Angebot von 31 Dollar pro Yahoo -Aktie, was nicht nur einen Preis von 44,6 Milliarden Dollar für Yahoo entspricht, sondern auch eine Abrechnung mit den Versäumnissen von Jerry Yang bedeutet.

Dabei war die Woche ohnehin schon schlecht gelaufen für den Yahoo -Mitgründer - nur Tage zuvor hatte er für das achte Quartal in Folge rückläufige Zahlen verkünden müssen. Und der Ausblick sieht nicht besser aus. Wie so oft hat Yang die Aktionäre um mehr Geduld gebeten. Noch mehr Geduld.

Doch Geduld hat Microsoft -Boss Ballmer höchstens noch in homöopathischen Dosen. Er wollte es auf die freundliche Tour, seit Monaten kursieren Gerüchte über einen Zusammenschluss zwischen Microsoft und Yahoo - doch Yang wollte nicht.

Doch die Zeit drängt: Microsoft verliert im Web immer mehr den Anschluss - Suchriese Google, der Dritte im Bunde, enteilt. Und Yahoo steckt im Abwehrkampf, ist darauf jedoch kaum vorbereitet.

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