Übernahmen
IT-Konzerne in Kauflaune

Die Übernahmewelle in der IT-Industrie rollt mit voller Wucht. Am Donnerstag hat Cisco den Kauf des norwegischen Wettbewerbers Tandberg angekündigt. Der amerikanische IT-Konzern zahlt gut zwei Mrd. Euro für den Hersteller von Videokonferenzsystemen.

MÜNCHEN/STOCKHOLM. Die Akquisition ist bereits der dritte Milliardendeal in der Branche in den vergangenen anderthalb Wochen. Zunächst hat der PC-Hersteller Dell tief in die Kasse gegriffen. Die Texaner übernehmen den amerikanischen IT-Dienstleister Perot Systems für knapp 2,8 Mrd. Euro. Anfang dieser Woche verkündete Xerox die Akquisition des Serviceanbieters Affiliated Computer Services für 4,4 Mrd. Euro.

Analysten halten es für ein gutes Zeichen für die IT-Branche, dass die Unternehmen in diesen Tagen auf Einkaufstour gehen. "Das deutet darauf hin, dass sie von einer baldigen Konjunkturerholung ausgehen", urteilen die Experten des Münchener IT-Beratungshauses PAC. Deshalb sei in nächster Zeit mit weiteren Akquisitionen zu rechnen.

"Wir bereiten uns auf den Aufschwung vor", bekräftigte Ciscos Europachef Chris Dedicoat am Donnerstag im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Kauf von Tandberg sei für das Unternehmen aus dem Silicon Valley strategisch wichtig, um im stark wachsenden Geschäft mit Videokonferenzen zuzulegen.

Cisco biete je Tandberg-Aktie 153,5 norwegische Kronen, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Dies sei ein Aufschlag von elf Prozent auf den Schlusskurs vom Mittwoch. Der Verwaltungsrat von Tandberg habe der Offerte bereits zugestimmt. Cisco will die Übernahme bis zum Sommer 2010 abgeschlossen haben. Ab dem Geschäftsjahr 2011 soll sich der Kauf dann positiv auf den Gewinn auswirken.

Nach Meinung von Experten ist Cisco allerdings nicht der einzige Interessent, der Tandberg übernehmen will. Die Analysten von DnB Nor glauben, dass auch Hewlett-Packard, Juniper, IBM, Sony und selbst Siemens an einer Übernahme interessiert sein könnten. Daneben könnte auch eine Private-Equity-Firma ein Angebot abgeben.

Die Prämie von Cisco von nur elf Prozent sei zu niedrig, meint Jonas Jarutis, Analyst bei Orion Securities. "Deshalb denken wir, dass das Angebot noch erhöht werden muss", sagte er und unterstrich, dass der gängige Aufschlag in der IT-Branche bei 20 bis 40 Prozent liege.

Auch der Aktienmarkt geht von einem Bieterstreit aus: Der Kurs der Tandberg-Aktie zog nach Bekanntwerden des Cisco-Angebots an der Börse in Oslo auf 155 Kronen (18,35 Euro) an. Damit kosten die Papiere mehr, als Cisco zahlen möchte.

Schon in den letzten Monaten haben sich die weltweit führenden IT-Konzerne durch große Akquisitionen verstärkt. So hat der amerikanische Datenbankspezialist Oracle die Übernahme des Software- und Serverspezialisten Sun für 7,4 Mrd. Dollar angekündigt. IBM kauft SPSS, einen Anbieter von Analyse-Software für 1,2 Mrd. Dollar. In Deutschland übernimmt die Software AG den Wettbewerber IDS Scheer. Der Auslöser der Übernahmewelle: Einerseits geht der Trend dahin, immer umfassendere Angebote zu machen. Andererseits wollen die Anbieter in neue, wachstumsträchtige Gebiete vorstoßen. Dell und Xerox geht es mit ihren Käufen zum Beispiel darum, das margenstarke Geschäft mit Dienstleistungen auszubauen.

Dazu kommt: Die Kassen der führenden IT-Konzerne sind trotz der schweren Wirtschaftskrise prall gefüllt. Cisco zum Beispiel hat 35 Mrd. Dollar an flüssigen Mitteln zur Verfügung, Apple 24 Mrd., und IBM kommt auf rund 13 Mrd. Dollar. Da ist es kein Wunder, dass Cisco-Chef John Chambers ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein an den Tag legt: " In den nächsten zwölf Monaten werden wir angreifen, wie wir es noch nie getan haben", versprach der Manager am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Oslo. Teil der Offensive seien auch weitere Übernahmen, tönte Chambers.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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