Übernahmeschlacht nutzt
SAP spürt heftigen Preisdruck

Nach eigenen Angaben profitiert SAP von der Übernahmeschlacht zwischen Oracle und Peoplesoft. Allerdings macht der hohe Preisdruck denn Walldörfern zu Schaffen.

HB BASEL. „Der Preisdruck ist immer noch da und wirklich hoch“, sagte SAP-Vorstandssprecher Henning Kagermann am Montag auf einer Konferenz in Basel. „Es ist nicht nur ein verwirrendes, sondern manchmal auch ein verzweifeltes Pricing“, ergänzte er. Insgesamt resultierten 40 % der verlorenen Verträge von SAP aus Preiskämpfen durch die Discount-Politik von Oracle, dem hinter SAP zweitgrößten Anbieter betriebswirtschaftlicher Software. Mehr Verträge seien bei SAP durch Preisdruck noch nie verloren gegangen. Hingegen gewinne der Walldorfer Konzern derzeit Kunden hinzu, die wegen Peoplesoft verunsichert seien.

Seit Monaten tobt in den USA eine Übernahmeschlacht um Peoplesoft, für die Oracle ein feindliches Übernahmeangebot vorgelegt hat. Peoplesoft will seinerseits den kleineren Software-Hersteller J.D. Edwards übernehmen. Dieser Zusammenschluss würde Oracle aber den zweiten Platz hinter SAP kosten. Die Aktien von SAP gaben am Montag zeitweise um 1,5 % nach und notierten am Nachmittag noch 0,7 % schwächer bei 107,86 €.

Kagermann äußerte sich besorgt über die langfristigen Auswirkungen der Preisschlacht im Software-Geschäft. „Allgemein bin ich besorgt, dass diese Politik zu einer Preis-Erosion führt.“ In dem Fall werde es schwer sein, noch mal angemessene Preise erreichen zu können.

Auf die Frage, ob SAP Kundenzuwächse auf Grund der Übernahmeschlacht um den Konkurrenten Peoplesoft verzeichne, sagte er: „Ich sehe Fälle, wo das passiert, und ich denke im nächsten Monat wird man mehr davon sehen“. Experten sehen SAP als Nutznießer des Zwistes, da sich viele Kunden aus Unsicherheit dem deutschen Unternehmen zuwenden könnten. „Mittelfristig profitieren wir davon“, sagte auch Kagermann.

Analyst David Reynolds von J.P. Morgan erwartet, dass der anhaltende Preisdruck SAP auch noch im traditionell wichtigen vierten Quartal treffen könnte. „So lange das Übernahmeangebot von Oracle für Peoplesoft im Raum steht, kann das aggressive Pricing weitergehen.“

Trotz langfristig gewonnener Marktanteile durch verunsicherte Kunden, seien sinkende Gewinnmargen in Folge des Preisdrucks natürlich negativ, sagte ein Frankfurter Analyst. „Das schürt die Angst, dass die Ziele für das vierte Quartal verfehlt werden.“

Der IT-Branche macht seit rund zwei Jahren eine stagnierende Nachfrage zu schaffen. Nach einem überraschend schwachen Lizenzgeschäft im zweiten Quartal hatte die SAP-Spitze Mitte Juli noch keine Anzeichen für eine anziehende Branchenkonjunktur gesehen. SAP legt am 16. Oktober Zahlen für das dritte Quartal vor.

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