Übernahmespekulationen nach Einstieg des französischen Investors Vincent Bolloré
Neuer Aktionär schürt Angst bei Havas

Stürmische Zeiten für die französische Havas S.A: Der sechstgrößte Werbekonzern der Welt will sein Kapital um 400 Mill. Euro erhöhen, kündigte das Unternehmen gestern an. Dies überschattete die Vorlage des Halbjahres-Ergebnisses, das von einem starken Anstieg des Netto-Gewinns gekennzeichnet war, aber auch von einem starken Zuwachs der Schulden.

PARIS. Im Mittelpunkt des Interesses steht nun die Frage: Was hat der neue Großaktionär von Havas vor, der französische Investor Vincent Bolloré. Dieser hatte gestern mitgeteilt, dass er über 10 Prozent an Havas besitzt.

Bei der Vorlage der Halbjahres- Zahlen machte Havas-Chef Alain de Pouzilhac gute Miene zum bösen Spiel: „Der Einstieg von Bolloré ist für uns eine Chance.“ Schließlich habe Havas jetzt wieder einen Großaktionär. Der französische Investor werde auch im Verwaltungsrat der Werbe-Gruppe vertreten sein – die Rede ist von zwei Sitzen in dem Gremium.

Der Einstieg von Bolloré schürt indes am Finanzplatz Paris Spekulationen, Havas könnte Opfer einer Übernahme werden. Vor kurzem waren die Franzosen aus dem Bieter- Gefecht um den Wettbewerber Grey ausgestiegen, der nun von der britischen Gruppe WPP gekauft wird. Bolloré hatte Druck gemacht, Grey nicht zu kaufen, da er fürchtet, Havas könnte sich finanziell übernehmen und damit den Wert seiner Anteile schmälern. Dabei galt der Kauf von Grey als Havas’ letzte Chance, zu den großen Wettbewerbern wie dem Lokalrivalen Publicis aufschließen zu können.

Bolloré gilt als Frankreichs Raider – ein Investor, der sich darauf spezialisiert hat, Unternehmen zu kaufen und dann auszuschlachten. In der Vergangenheit hatte er sich stets bei Gesellschaften mit Problemen eingekauft, so beim Mischkonzern Bouygues, als dessen Einstieg ins Mobilfunk-Geschäft mehr Sorgen als Begeisterung bei den Anlegern auslöste. Wenn dank der Übernahme-Spekulation, die er selbst auslöst, der Kurs in die Höhe geschossen ist, steigt Bolloré meist wieder aus. Seine Bouygues-Anteile verkaufte er an den Milliardär François Pinault.

Auch Havas gilt nach der Grey-Pleite als angeschlagen. Zudem hat das Unternehmen schwere Zeiten mit einer harten harter Restrukturierung hinter sich. „Einer Übernahme steht fundamental nichts im Wege“, sagt ein Pariser Analyst. Als Kaufinteressenten könnte ein anderer Werbe-Gigant oder ein Fonds in Frage kommen. „Nach dem Kapitel Grey ist für uns die Übernahme-Gefahr nicht gestiegen“, sagt dagegen Havas-Chef de Pouzilhac.

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