Überraschende Einigung
Portugal rettet Qimonda vor dem Aus

Der Chiphersteller Qimonda hat die drohende Insolvenz in letzter Minute verhindert. Der Freistaat Sachsen und die Konzernmutter Infineon haben sich am Wochenende nach mehrwöchigen kontroversen Gesprächen auf ein Rettungspaket für den finanziell schwer angeschlagenen Speicherchip-Produzenten verständigt.

DRESDEN/MÜNCHEN. An den Finanzhilfen ist auch Portugal beteiligt. Die Regierung in Lissabon verhilft Qimonda damit zu einer Verschnaufpause und schafft den finanziellen Rahmen für Investitionen in eine neue Fertigungstechnik. Dies geschieht nicht uneigennützig: Qimonda unterhält nahe Porto ein Werk mit 1 800 Mitarbeitern, in dem Halbleiter getestet und verpackt werden und das bei einer Insolvenz des Unternehmens ebenfalls gefährdet wäre. Insgesamt erhält das Unternehmen Darlehen in Höhe von 325 Mio. Euro.

Sachsen wird einen Kredit über 150 Mio. Euro bereitstellen, Infineon gibt 75 Mio. Euro. In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden betreibt Qimonda seine größte Fabrik. Vom portugiesischen Staat kommen über die dortige Investitionsbank weitere 100 Mio. Euro als Kredit. Noch Ende vergangener Woche hatte es so ausgesehen, als stünde die Insolvenz von Qimonda unmittelbar bevor.

Qimonda kann zusätzlich auf weitere finanzielle Hilfe vom Staat hoffen: Das Unternehmen habe die Möglichkeit, eine 280 Mio. Euro schwere Bürgschaft des Bundes und des Freistaats Sachsen zu erhalten, teilte es mit.

„Wir freuen uns, dass der Durchbruch gelungen ist“, sagte Qimonda-Aufsichtsratschef Peter Fischl. Die verschobene Bilanz für das am 30. September beendete Geschäftsjahr will Qimonda nun nach eigenen Angaben Mitte Januar vorlegen, sobald die Auswirkungen der neuen Lage klar sind. Zuletzt lag der Quartalsverlust bei 401 Mio. Euro.

Die Einigung kam überraschend. Nachdem die Rettungsverhandlungen zwischen Infineon und der sächsischen Regierung gescheitert waren, hatten sich beide Parteien vergangene Woche öffentlich gestritten. Sachsen hatte einen Kredit über 150 Mio. Euro angeboten, wenn Infineon seiner Tochter 150 Mio. in bar zuschießt. Der Münchner Konzern hatte dies aber als nicht machbar zurückgewiesen. Am Sonntagmorgen habe es nun den Durchbruch gegeben.

Das Darlehen kommt gerade noch rechtzeitig, da Qimonda in den nächsten Wochen das Geld ausgegangen wäre und eine der größten Pleiten der deutschen Wirtschaft seit Jahren vor der Tür stand. Vorangegangen waren monatelange Verhandlungen zwischen Mehrheitseigentümer Infineon und Sachsen. Strittig war vor allem die Beteiligung von Infineon an dem Kredit. In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden betreibt Qimonda sein mit mehr als 3 000 Beschäftigten größtes Werk. Durch die Beteiligung der Portugiesen konnte der Konflikt beigelegt werden.

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