
HB WALLDORF. Europas größter Softwarehersteller SAP kommt nicht zur Ruhe. Nach mehrfachen Vorstandswechseln in kurzer Folge wird die Chefetage abermals radikal umgebaut: Leo Apotheker wird ab sofort als Unternehmenschef ersetzt durch eine Doppelspitze bestehend aus den Vorständen für Vertrieb und Produktentwicklung, dem Amerikaner Bill McDermott und dem Dänen Jim Hagemann Snabe. An der Börse sorgte die Ankündigung für Unsicherheit.
Der SAP-Kurs sank am Vormittag um ein Prozent auf 33,05 Euro und entwickelte sich damit schwächer als der Markt.
Nach Meinung von Heino Ruland, Marktstratege bei Ruland Research, hat der plötzliche Rücktritt mit der schleppenden Geschäftsentwicklung einiger Bereiche zu tun. Die Markteinführung des Hoffnungsträgers Business By Design wurde immer wieder verschoben und SAP verliert Marktanteilen an den Erzrivalen Oracle . Merrill-Lynch-Analyst Raimo Lenschow vermutet ein Zerwürfnis mit Aufsichtsratschef Hasso Plattner als Grund für den Rücktritt. In den vergangenen Monaten war spekuliert worden, Plattner sei mit der jüngsten Entwicklung von SAP nicht mehr zufrieden gewesen. Zudem gebe es eine interne Debatte darüber, ob SAP weiter an der Kostenschraube drehen oder mehr Geld in die Entwicklung neuer Produkte stecken soll.
Die Nachricht ist ein Paukenschlag. Zwar war die Kritik an Apotheker immer lauter geworden. Zum einen stieß sein rabiater und sehr direkter Führungsstil auf eine wachsende Gegenwehr. Auch der unzureichende Umgang mit Kunden, etwa bei der mittlerweile gescheiterten Erhöhung der Wartungspreise, wird ihm angelastet. Sie hatte zu einer massiven Verstimmung der Kunden geführt. Dennoch hatte es zuletzt so ausgesehen, als würde man bei SAP Apotheker noch eine Chance geben, um nicht schon nach so kurzer Zeit einen erneuten Wechsel an der Spitze zu haben. "Man konnte nicht von Herrn Apotheker erwarten, in der schlechten Wirtschaftslage Wunder zu vollbringen. Andererseits zeigte er sich eher defensiv als dass er auf Verantwortung und Versöhnung mit seinen Kunden setzte", kommtiert das Marktforschungsunternehmen Forrester Research.
Nach Ansicht von Thomas Becker, Experte der Commerzbank haben die SAP-Gründer die Geduld mit Apotheker verloren. Der Manager sei dafür verantwortlich gemacht worden, dass es SAP nicht gelungen ist, das Wartungsgeschäft weiter auszubauen und den Verlust weiterer Marktanteile zu stoppen. SAP will bei einer Telefonkonferenz am Montagnachmittag Auskunft über den Chefwechsel geben. Sonntagabend hatte Plattner angekündigt, der Wechsel solle "die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen" zusammenbringen.