Überraschender Verzicht
Microsoft kapituliert vor Yahoo

Einer der spektakulärsten Übernahmeversuche in der Internetwirtschaft ist gescheitert. In der Nacht zu Sonntag zog der Softwarekonzern Microsoft sein milliardenschweres Übernahme-Angebot für das Suchportal Yahoo zurück. Microsoft-Chef Steve Ballmer kapitulierte vor den Forderungen des Yahoo-Gründers und CEO, Jerry Yang, der mindestens 37 Dollar je Aktie verlangte.

HB SAN FRANCISCO. Ballmer hatte kurz zuvor sein Angebot von 31 auf 33 Dollar aufgestockt, was einem Kaufpreis von 47,5 Mrd. Dollar (rund 30 Mrd. Euro) entsprochen hätte.

Am Finanzmarkt wird zum Wochenauftakt ein scharfer Einbruch der Yahoo-Aktien erwartet, die seit Beginn des Übernahmegefechts am 1. Februar um mehr als 70 Prozent gestiegen sind. Für Microsoft bedeutet der Rückzug einen herben Rückschlag in dem Bemühen, den immer mächtiger werdenden Konkurrenten Google im Internet einzuholen. Google ist mit Abstand Weltmarktführer für Suchwort-Anzeigen (Keyword-Advertising) und dominiert im wichtigen US-Markt mit 60 Prozent klar den Markt für das Suchen im Internet. Microsoft und Yahoo hätten es hier gemeinsam auf 30 Prozent gebracht.

Der Pionier Yahoo ist zwar das weltweit führende Internet-Portal. Das Unternehmen hat es aber genauso wie das finanzkräftige Microsoft nicht verstanden, das wachsende Onlinewerbegeschäft so erfolgreich wie Google zu Geld zu machen. „Yahoo und Microsoft sind zwei kleine Bummelzüge, die den Schnellzug Google einholen wollten“, sagt Citigroup-Analyst Brent Thill.

Microsoft zählt mit 51 Mrd. Dollar Umsatz und 14 Mrd. Dollar Nettogewinn zu den profitabelsten Unternehmen der Welt. Yahoo erwirtschaftete 2007 bei knapp 7 Mrd. Dollar Umsatz 660 Mill. Dollar Gewinn. Microsoft-Chef Ballmer schrieb in einem Brief an Yahoo-Lenker Yang: „Nach eingehender Überlegung glauben wir, dass die von Yahoo erhobenen wirtschaftlichen Forderungen für uns keinen Sinn ergeben.“ Deshalb sei es besser, das Angebot zurückzuziehen. Microsoft werde seine Strategie jetzt mit dem eigenen Team und anderen Partnern vorantreiben. „Yahoo hätte unsere Strategie zwar beschleunigt, aber ich bin zuversichtlich, dass wir uns unseren Zielen nähern werden“, sagte Ballmer.

Einer mit den Verhandlungen vertrauten Person zufolge brachte Microsofts Drohung mit einer feindlichen Übernahme Yahoo bereits dazu, seine ursprüngliche Forderung von 40 Dollar auf 37 Dollar je Aktie zu senken. Der Preis sei jedoch nicht das einzige Hindernis in den Verhandlungen gewesen, hieß es. Microsoft habe kartellrechtliche Bedenken Yahoos nicht ausräumen können. Zudem habe Yahoo eine Garantie gefordert, dass das Angebot Microsofts bis zu einer möglichen Übernahme gleich hoch bleibe.

Ballmers Entscheidung ist der vorläufige Schlusspunkt hinter einem dreimonatigen PR-Krieg, in dem Microsoft abwechselnd mit einer feindlichen Übernahme drohte oder mit einem höheren Angebot lockte. Am 26. April lief ein Ultimatum Microsofts an das Yahoo-Management ab.

Einige Microsoft-Aktionäre hatten die Fusion wegen der hohen Kosten und unklaren Vorteile schon in den vergangenen Wochen infrage gestellt. Als weiteren Grund für den Rückzug nannte Ballmer Yahoos Abwehrplan, ausgerechnet mit Google eine Allianz einzugehen. Ein derartiges Übereinkommen mit dem dominierenden Suchmaschinenanbieter würde einen Kauf Yahoos für Microsoft nicht mehr wünschenswert machen, schreibt Ballmer.

Unternehmenskreisen zufolge könnte Yahoo eine Partnerschaft mit Google im Anzeigengeschäft bereits in dieser Woche bekanntgeben. Yahoo verfolge „strategische Chancen“, hieß es in einer Erklärung. Yahoo hatte zur Abwehr Microsofts auch mögliche Übereinkommen mit Time Warners Internetsparte AOL und News Corps Internetnetzwerk Facebook geprüft.

Analysten gehen davon aus, dass Yahoo seinen Widerstand überzogen hat, und rechnen jetzt mit einem Kurseinbruch der Aktie. „Viele Investoren werden jetzt schnell Kasse machen“, sagte ein US-Analyst. Am Freitag hatte die Yahoo-Notierung nach Gerüchten über eine bevorstehende Einigung zum Wochenende erneut um zehn Prozent auf knapp 30 Dollar zugelegt.

Ein massiver Kursrutsch könnte das Yahoo-Management bis zur nächsten Hauptversammlung, die spätestens am 12. Juli stattfinden muss, schwer unter Druck setzen. Mit einer ähnlichen Taktik klopfte Oracle-Chef Larry Ellison kürzlich den Konkurrenten BEA Systems weich, den er nach langem Bietergefecht am Ende doch noch übernahm. Einzelne Branchenbeobachter spekulieren, dass Microsoft sein Gebot aus strategischen Gründen zurückgezogen habe und einen zweiten Anlauf nehmen könnte.

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