Übertragungsrechte
Premiere sichert sich Champions-League

Nach der Übernahme von Pro Sieben Sat1 durch den Springer-Verlag sorgt nun Premiere für den nächsten Paukenschlag in der deutschen Medienbranche. Der Bezahlfernsehsender hat sich erstmals in seiner Geschichte sämtliche deutsche Live-Rechte für die Übertragung der Champions League gesichert.

HB MÜNCHEN. Als erstes TV-Unternehmen will Premiere dabei künftig im größeren Stil auf Bezahlfernsehen und Free-TV aus einer Hand setzen. Nach dem Erwerb sämtlicher Deutschlandrechte an der Fußball-Champions-League ab der Saison 2006/2007 für drei Jahre will Premiere dazu einen eigenen Free-TV-Sender aufbauen oder kaufen. „Das ist ein großer Schritt für Premiere“, sagte Konzernchef Georg Kofler am Dienstag in München. „Sollte Premiere diesen Plan nicht weiterverfolgen, hat die Uefa die Option, die Free-TV-Spiele an einen anderen bestehenden Sender weiterzulizenzieren“, hieß es.

„Natürlich ist das schade“, reagierte eine Sprecherin von Pro Sieben Sat1 auf die Niederlage gegen Premiere. „Wir haben bis zu einer Höhe mitgeboten, die wir vertreten konnten“, sagte die Sprecherin der Sendergruppe, die von der Verlagsgruppe Axel Springer übernommen wird. Das Geld könne nun in andere Projekte fließen.

In der jüngsten Zeit hatte sich bereits abgezeichnet, dass im digitalen Zeitalter Bezahlfernsehen und frei empfangbare Angebote enger zusammenwachsen. „Medienunternehmen sind gezwungen, mehrere Klaviaturen zu spielen“, sagte Nikolaus Mohr, Partner und Medien-Experte bei der Beratungsfirma Accenture Deutschland. Während Premiere schon seit längerem auf den Werbekuchen im frei empfangbaren Fernsehen schielte, beantragte Pro Sieben Sat1 im Gegenzug die Lizenz für vier Pay-TV-Kanäle, um im kleineren Maßstab auch im Bezahlfernsehen mitzuspielen.

Kofler stellte aber klar, dass Premiere mit dem Aufbau oder dem Kauf eines frei empfangbaren Senders vor allem die Pay-TV-Sparte stärken will. „Die Werbemärkte sind ja derzeit nicht gerade am explodieren.“ Es gehe nicht um ein starkes zweites Standbein. Das Top-Spiel soll in jedem Fall nur beim Pay-TV-Sender Premiere zu sehen sein, eine weitere Begegnung pro Spieltag im frei empfangbaren Fernsehen. Auch die große Zusammenfassung der Spiele im Anschluss an die Live-Übertragungen soll nur bei Premiere zu sehen geben. Premiere garantierte der Europäischen Fußball-Union Uefa jedoch, pro Saison insgesamt 13 Spiele live im Free-TV zu zeigen.

Durch den Kauf auch der Free-TV-Rechte an der Champions League kann Premiere über den eigenen Sender das Angebot im frei empfangbaren Fernsehen verknappen: Während bisher Sat1 das Topspiel in der Champions League zeigte, wird zum Beispiel eine Partie des FC Bayern München gegen Real Madrid künftig mit Sicherheit nur noch über ein Premiere-Abonnement zu sehen sein. Mit Hilfe dieser Exklusivität will Kofler die Zahl seiner Premiere-Kunden von derzeit 3,3 Mill. bis Ende 2007 auf mehr als vier Mill. steigern. Dazu hat er bei der Champions League noch einmal eine Schippe draufgelegt. Branchenexperten rechnen damit, dass Premiere sich das Dreijahres-Paket insgesamt etwa 200 Mill. € kosten lässt.

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