Ufa-Manager Norbert Sauer kandidiert für Chefposten
Bavaria erwägt Verkauf der Odeon Film

Die von Skandalen um Schleichwerbung erschütterte Bavaria Film steht offenbar vor einem Neuanfang. Als Nachfolger für den entlassenen Geschäftsführer Thilo Kleine ist Norbert Sauer, Manager bei der Bertelsmann-Filmtochter Ufa, im Gespräch. Das bestätigten Unternehmenskreise.

DÜSSELDORF. Sauer, der seit 1978 für die Ufa, eine Tochter des Fernsehkonzerns RTL Group, arbeitet, wollte zu dieser Möglichkeit nicht Stellung nehmen. Der Berliner Produzent hat sich mit Serien wie „Bella Block“ oder „Soko“ und Filmen wie „Der Sandmann“ einen Namen gemacht. Bisher wurde Martin Hoffmann, Vorstandschef des Berliner TV-Produzenten MME, für den Chefposten bei der Bavaria, gehandelt. Doch der vor wenigen Tagen aufgedeckte Skandal um Schleichwerbung bei Sat 1 wurde dem früheren Geschäftsführer des Privatsender offenbar zum Verhängnis.

Wann eine Entscheidung über die Spitzenposition bei der Bavaria fallen wird, ist offen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Gesellschafter bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im Dezember warten wollen“, sagte ein Insider. Am Freitag tagte der Aufsichtsrat der ARD-Tochter, dem unter anderen die Intendanten Thomas Gruber (BR), Udo Reiter (MDR) und Peter Voß (SWR) angehören, ohne Ergebnis.

Der langjährige Bavaria-Geschäftsführer Thilo Kleine musste im Sommer seinen Hut nehmen. Seitdem führt Co-Geschäftsführer Dieter Frank allein die Geschäfte. Zuvor hatte der Branchendienst „epd medien“ den größten Skandal in der Geschichte der ARD aufgedeckt. Er wies nach, dass etwa in der von der Bavaria produzierten ARD-Serie „Marienhof“ jahrelang Schleichwerbung platziert wurde. Produzent der Serie ist die Bavaria Film, eine Tochter von WDR, MDR, BR und SWR.

Unabhängig von der offenen Führungsfrage will sich die Bavaria von ihrer Tochter Odeon Film AG trennen. Das bestätigen Firmenkreise. Hintergrund des Plans ist ein Verfahren der EU-Kommission. Brüssel nimmt derzeit die privatwirtschaftlichen Geschäfte der ARD und der Bavaria unter die Lupe. Die Bavaria hält 52,75 Prozent an Odeon. Ein Sprecher wollte die Verkaufspläne nicht kommentieren.

Odeon erzielte 2004 einen Umsatz von 60 Mill. Euro. Der Jahresüberschuss belief sich auf drei Mill. Euro. Das Unternehmen produziert Film und Serien, darunter „Ein Fall für zwei“ und „Die Kommissarin“. Mit der Odeon-Aktie ging es in den letzten beiden Monaten steil bergab. Gestern sank das Papier um fast 4,5 Prozent auf 8,75 Euro.

„Das ist natürlich kein toller Zeitpunkt für einen Ausstieg. Der Niedergang der Aktie tut schon weh“, hieß es in Bavaria-Kreisen. Einen zusätzlichen Vertrauensverlust bewirkte der Rücktritt des Odeon-Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhard Grätz Ende August wegen interner Querelen. Dies hinderte aber nicht, dass der 65-jährige frühere SPD-Politiker am Freitag als Vorsitzender des Bavaria-Aufsichtsrates im Amt bestätigt wurde.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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