Umkämpfter TV-Markt
RTL hält an Nachrichten fest

Während sich Sat 1 gegen Vorwürfe wehrt, es gebe einen Kahlschlag im Programm, schlägt die Konkurrenz einen anderen Weg ein: RTL wird an den Nachrichten festhalten, sieht sie als „Eckpfeiler“ des Programms und will damit auf dem umkämpften deutschen TV-Markt Zuschauer und Werbekunden überzeugen.

MÜNCHEN. Die Empörung war groß, als der Berliner Fernsehsender Sat 1 jüngst über Nacht zwei Informationssendungen aus dem Programm warf. Zu teuer für vergleichsweise wenige Zuschauer, lautete die Begründung für die Einschnitte. Die Konkurrenz aus Köln bleibt dagegen dabei: „Nachrichten sind ein Eckpfeiler in unserem Programm“, sagte RTL-Chefin Anke Schäferkordt am Donnerstag im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die Kürzungen bei Sat 1 waren der Anlass für eine öffentliche Debatte über das Niveau der privaten TV-Sender. Als sich die Tochter der Münchener Pro Sieben Sat 1-Gruppe dann auch noch entschloss, die Tour de France zu übertragen, stand die Branche endgültig in einem schlechten Licht. Denn kurz zuvor hatten ARD und ZDF ihre Tour-Berichterstattung abgebrochen, weil ein deutscher Radfahrer gedopt war.

RTL fürchtet nun Nachteile durch die Debatte, die von der Konkurrenz losgetreten wurde. „Die Diskussion nützt nur den öffentlich rechtlichen Anstalten, das ist nicht gut für uns“, unterstrich Schäferkordt. ARD und ZDF haben nach Ansicht der Managerin nun bessere Karten, wenn es darum geht, das nächste Mal höhere Gebühren zu verlangen. Die Anstalten geben sich gerne als Kämpfer für qualitativ hochwertiges Fernsehen.

RTL selbst sieht sich allerdings ganz vorne, was die Nachrichten im deutschen Fernsehen angeht. Die Haupt-Nachrichtensendung „RTL-Aktuell“ kam im Juli auf einen Marktanteil von 19,3 Prozent. Zum Vergleich: Die „Tagesschau“ im Ersten erreichte 19,1 Prozent, „Heute“ im ZDF 17,4 Prozent. Im ersten Halbjahr hat RTL mit seinen Nachrichten neue Zuschauer gewonnen, während die mit Gebühren finanzierte Konkurrenz leichte Einbußen hinnehmen musste. „Der Schluss, dass Privatfernsehen weniger Information bedeutet, ist falsch“, betonte Schäferkordt.

Sat 1 wehrt sich gegen Vorwürfe, es gebe einen Kahlschlag im Programm. „Ich habe kein Interesse, das Niveau zu senken,“ sagte Senderchef Matthias Alberti jüngst dem Handelsblatt. Zwischenzeitlich hat allerdings sogar die für Sat 1 zuständige Aufsichtsbehörde, die Landeszentrale für Medien und Kommunikation in Rheinland-Pfalz, geprüft, ob der Kanal noch den Ansprüchen eines Vollprogramms genügt. Das Ergebnis: Sat 1 darf auch ohne die Magazine weiter senden.

Auf dem deutschen TV-Markt wird erbittert um die Gunst der Zuschauer und der Werbekunden gekämpft. Dabei stehen sich zwei große Blöcke in der Vermarktung der privaten Sender gegenüber: Die Kanäle der Pro-Sieben-Gruppe, also Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N 24. Auf der anderen Seite steht die RTL-Gruppe mit RTL, Super RTL, Vox und N-TV. In den ersten sechs Monaten des Jahres hatte nur das Erste mehr Zuschauer in Deutschland als RTL. Auf Rang drei folgte das ZDF.

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