Umsatz ist gefallen
Dell lässt viele Fragen offen

Der US-Computerbauer Dell legte die Ergebnisse für das vierte Quartal und Gesamtjahr 2006 vor – und sie fielen erwartungsgemäß enttäuschend aus. Nach der Gewinnwarnung von Ende Januar war ohnehin Pessimismus angesagt. Zudem war das Zahlenwerk wegen der laufenden behördlichen Überprüfung von Dells Bilanzierungspraktiken erneut nur vorläufig.

je PORTLAND. Dells Umsatz fiel im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahr von 15,2 auf 14,4 Mrd. Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 14,9 Mrd. Dollar gerechnet. Der Reingewinn fiel gegenüber dem Vorjahr um ein Drittel auf 673 Mill. Dollar oder 30 Cents pro Aktie und übertraf damit leicht die gesenkten Erwartungen. Erzrivale Hewlett-Packard meldete für den gleichen Zeitraum einen Umsatzzuwachs von 11 Prozent und 26 Prozent Gewinnsteigerung. In den vergangenen zwölf Monaten stieg der HP-Kurs um rund ein Viertel während Dell um etwa die gleiche Marge absackte.

Die Frage ist: Wohin steuert Dell? Immerhin war der Konzern bis zum vergangenen Jahr noch der größte Personalcomputer-Hersteller der Welt. Wer Aufschluss im Zusammenhang mit der Vorlage der Ergebnisse für das vierte Quartal erwartet hatte, wurde enttäuscht. Dell strich die übliche Telefonkonferenz mit Analysten und hüllte sich in Schweigen. Nach der Rückkehr von Gründer Michael Dell als Konzernchef und der Runderneuerung fast des gesamten Top-Managements sind viele Fragen offen, auf die die neue Führung offenbar noch keine schlüssigen Antworten hat. Prognosen wurden nicht gestellt und in einer Stellungnahme erklärte Michael Dell die Ergebnisse für „enttäuschend“.

Die Krise bei Dell ist zum größten Teil hausgemacht, da sind sich Experten einig. Die Vernachlässigung des profitablen Geschäfts mit Privatkunden, die Probleme mit dem Kundendienst und die nachlassende Produktqualität gehören ebenso dazu wie die offenbar tiefer gehenden Probleme mit der Bilanzierung. Hinzu kommt, dass die gesamte PC-Branche vor einigen Schwierigkeiten steht, nachdem der erwartete Aufschwung durch das neue Microsoft-Betriebssystem Windows Vista, das leistungsfähigere Rechner erfordert, bisher ausblieb. Dell-Konkurrent Lenovo verkündete bereits Entlassungen.

Dell verpflichtete mehrere bekannte Manager, darunter Ron Garriques von Motorola, der künftig weltweit die Fertigung verantwortet, und Don Carty, Ex-Chef von American Airlines, als neuen Finanzchef. Als Fragen stehen jedoch weiter im Raum, ob Michael Dell der Mann ist, um das Unternehmen wieder flott zu machen kann, und ob das von ihm geschaffene Geschäftsmodell des Direktverkaufs und der super-schlanken Fertigung nach Auftrag noch eine Zukunft hat.

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