Umsatz-Rückgang: IBM-Chefin verzichtet auf Bonuszahlungen

Umsatz-Rückgang
IBM-Chefin verzichtet auf Bonuszahlungen

Das siebte Quartal in Folge mit schrumpfenden Umsätzen: IBM-Chefin Ginni Rometty findet einfach keinen Dreh, um den IT-Riesen in die neue Welt des Cloud-Computing zu führen. Jedenfalls kurzfristig nicht.

San Francisco„Angesichts der Gesamtergebnisse für 2013 haben die Vorstände und ich beschlossen, auf unsere persönlichen Bonuszahlen für 2013 zu verzichten.“ Mit einer Art finanzieller Entschuldigung versuchte IBM-Chefin Ginni Rometty am Dienstag die Anleger zu besänftigen. Doch die wollen nicht, dass die Top-Manager leer ausgehen, sie wollen Wachstum sehen. Und das bekommen sie einfach nicht. Die Aktie fiel nach Veröffentlichung der Quartalszahlen nachbörslich um gut vier Prozent.

Mit 27,7 Milliarden Dollar lag der Umsatz im vierten Quartal um 5,5 Prozent unter Vorjahr. Da half es auch nicht, dass der Nettogewinn mit 6,2 Milliarden Dollar gleichzeitig sechs Prozent über Vorjahr lag. Die sprudelnden Gewinne werden zum guten Teil aus Kostensenkungsmaßnahmen und großflächigem Stellenabbau gespeist.

Dazu kamen noch Steuererstattungen. Operativ kämpft IBM aus Armonk im Bundesstaat New York vor allem im Hardwarebereich. Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Daten und ihre Software in die Cloud, ins Internet. Damit sinkt die Nachfrage nach Unternehmensservern und IT-Dienstleistungen. Seit vergangenem Jahr versucht Rometty die Sparte für Standard-Server zu verkaufen. Dann bliebe nur noch das Geschäft mit Großrechnern für Rechenzentren. Angeblich sind Gespräche mit Lenovo jetzt weit fortgeschritten. Lenovo hatte auch das PC-Geschäft von IBM übernommen und profitabel gemacht. Doch noch ist nichts unterschrieben.

„Wir positionieren unsere Geschäftsbereiche langfristig neu, während wir kurzfristig mit ernsten Problemen des Geschäftsmodels im Hardwarebereich kämpfen“, fasste der kommende Finanzvorstand Martin Schroeter im Analystengespräch die Situation zusammen. Wie das praktisch aussieht belegen die Cloud-Sparte und das System-Geschäft. Während der Umsatz im Zukunftsmarkt Cloud-Computing um 69 Prozent über Vorjahr bei 4,4 Milliarden Dollar lag, viel im gleichen Zeitraum der Verkauf von Großrechnern, Servern und Speichern um 26 Prozent auf 4,26 Milliarden Dollar. Der Vorsteuergewinn der Sparte Systems and Technology brach um 768 Millionen auf 200 Millionen Dollar ein.

Der Wachstumsmotor stottert auch in den so genannten Zukunftsmärkten, den Emerging Markets. Hier schrumpfte das Geschäft um neun Prozent. Die BRIC-Staaten, Brasilien, Russland, Indien und China, kauften sogar für 14 Prozent weniger IBM-Dienstleistungen und Hardware. Gerade hier beginnen Unternehmen direkt damit, ihre Infrastruktur in die Cloud zu verlagern und überspringen den Aufbau einer kompletten IT-Landschaft im eigenen Haus. Rometty hat diesen Trend erkannt, mit der Akquisition des Cloud-Anbieters Soft-Layer für zwei Milliarden Dollar in 2013 will sie hier schneller wachsen als bisher.

In die gleiche Richtung zielt die Ankündigung einer neuen Sparte rund um den lernenden Super-Computer Watson, in die eine Milliarde Dollar investiert wird. Watson wird dann gigantische Datenbestände („big data“) analysieren und für die Kunden über den Cloud-Service Soft-Layer zur Verfügung stellen.

Doch das alles braucht noch Zeit: Im laufenden Quartal werden daher die Anstrengungen zur Kostenersparnis noch einmal verstärkt. Rund eine Milliarde Dollar Kosten werden voraussichtlich für „workforce-rebalancing“ anfallen, heißt es. Eine Umschreibung für weitere Entlassungen und Vorruhestandsreglungen.

Im Endeffekt soll das dann alles zusammen ausreichen, um das Gewinnziel von 17 Dollar pro Aktie nach dem Bilanzstandard GAAP in 2014 zu erreichen, nach 14,94 Dollar im Vorjahr. Eine Prognose, wo der Umsatz liegen wird, die will Ginni Rometty lieber noch nicht machen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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