Umsatzlichtblick USA
Wo Nokia wie Harley fahren ist

In den USA sind Besitzer eines Nokia-Smartphones ein exklusiver Kreis – noch. Denn das Unternehmen holt auf dem bedeutenden Markt kräftig auf. Neu-Besitzer Microsoft zaubert das ein breites Lächeln ins Gesicht.
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San FranciscoFrühstück mit einem Microsoft-Manager im Café Mason in San Francisco. Auf dem Tisch zwei Nokia-Smartphones. Es gibt frischen Kaffee, und die Bedienung zögert einen Moment. Dann zieht die junge Frau stolz ihr Lumia 920 aus der Tasche. „Ich habe auch eins“. Ein kurzes Fachsimpeln über gute Apps, fehlende Apps, Design und Farben setzt ein, bevor sie mit einem Lächeln und der Kaffeekanne weiterzieht zum nächsten Tisch.

Kurzer E-Mail-Check mit dem Lumia an der Bar im „Outsider“ an der Geary Street. Der Mann drei Sitze weiter schaut kurz, nimmt sein Bier und kommt rüber: „Darf ich?“ Er setzt sich holt sein Lumia 1020 aus der Tasche und beginnt sofort von die Kamera zu schwärmen. Mehr noch: Er hat einen Kameragriff mit Extrabatterie und Stativgewinde installiert. „So macht das Spaß“, sagt er, und ich kann nicht gehen, bevor nicht ich und die Bartenderin seine Urlaubsbilder aus Lake Tahoe gesehen haben.

Als Nokia-Besitzer grüßt man sich in den USA. Vor allem in San Francisco. Eine kleine Truppe von Individualisten in einer Wüste aus Androids und iPhones, so wie sich einst Harley-Fahrer mit einer kurzen Handbewegung grüßten, wenn sie sich auf einer Straße begegneten. Die einsamen Rider inmitten von Hondas, Kawasakis und Suzukis.

Aber es werden mehr. Geht es auch mit dem Nokia-Konzern insgesamt weiter bergab, was Umsatz und Gewinn angeht, sind die USA der einzige Lichtblick. 1,4 Millionen Lumia-Smartphones wurden im abgelaufenen Quartal in den USA abgesetzt. Eine Zahl, über die in Cupertino nur gelächelt wird, aber in Redmond bei Washington nimmt man es mit Genugtuung zur Kenntnis. Es ist ein Plus von 367 Prozent zum Vorjahr mit anämischen 300.000 Geräten und immer noch 180 Prozent mehr als im zweiten Quartal.

Microsoft wird die Gerätesparte von Nokia für 7,2 Milliarden Dollar übernehmen und was hier zählt, ist natürlich vor allem der Erfolg im Heimatmarkt. Nokias Smartphone-Umsatz ist in den USA auf 213 Millionen Dollar angestiegen. Zum Vergleich: im selben Quartal hat Microsoft mit seinen Tablets Surface 400 Millionen Dollar umgesetzt.

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US-Markt als Schlüssel zum Comeback

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  • Ja, das ist ja richtig. Aber ich denke, dass das doch nächstes Jahr das Problem von Microsoft ist und nicht mehr von Nokia, die dann ja um 5,44 Milliarden € reicher sind und planen, Lucent-Alcatel zu kaufen, was ich eher als Problem sehen würde. Wieso soll der Absatzmarkt dann noch Nokia betreffen? Vielleicht habe ich irgendetwas nicht mitbekommen?

  • Leider geht es beim Geräteverkauf global betrachtet weiter bergab, und auch der durchschnittliche Abgabepreis pro Gerät zeigt weiter abwärts. Dramatische Einbrüche gab es zum Beispiel erneut in China, einst Nokia-Hochburg. Es hängt jetzt wirklich alles davon ab, ob die Windows-Geräte wirklich Fahrt aufnehmen können. Die USA sind ein wichtiger Startpunkt. Weil eben im Silicon Valley die meisten Apps programmiert werden, ändert sich die Situation nur, wenn die US-Start-Ups irgendwann anfangen, schon ab Beginn Microsoft mit einzubeziehen. Davon ist Win-Phone noch weit entfernt.

  • Nur kurz eine kleine Frage zum Artikel über Nokia. Meinen Sie im 4 Absatz "Aber geht es mit Nokia auch weiter bergab oder meinten Sie doch bergauf?
    Das Bergab passt m.E. nicht so ganz zu dem Satz davor. Bergauf wäre mir natürlich lieber.

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