Umsatzrückgang im dritten Quartal verzeichnet
Schneider verklagt EU wegen Fusionsverbot

Der Elektrokonzern Schneider hat die EU-Kommission auf 1,6 Milliarden Euro Schadenersatz verklagt. Die Wettbewerbshüter hatten dem Unternehmen die bereits vollzogene Übernahme des Konkurrenten Legrand untersagt. Die Brüsseler Behörde bestätigte am Dienstag die Klage, wies aber Vorwürfe eines Fehlverhaltens zurück.

HB BRÜSSEL. Analysten sprachen von eher geringen Erfolgsaussichten für die Forderung des Unternehmens. Schneider gab zugleich einen Umsatzrückgang im dritten Quartal auf Grund des stärkeren Euro bekannt und sagte wechselkursbereinigt leicht höhere Erlöse für das Gesamtjahr voraus. Die Aktien reagierten mit deutlichen Kursgewinnen auf die Nachrichten.

Die Schadenersatzforderung an die EU-Kommission wurde nach Angaben aus EU-nahen Kreisen bereits Ende vergangener Woche beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg eingereicht. Analysten sehen allerdings praktisch keine Chancen, dass Schneider den geforderten Betrag in voller Höhe bekommt.

Schneider musste nach dem Veto der Kartellwächter die 98,1-prozentige Beteiligung am Legrand im vergangenen Jahr wieder verkaufen und verbuchte dabei nach eigenen Angaben einen Verlust von rund 2 Mrd. Euro. Dem stehe allerdings eine Steuergutschrift von insgesamt 500 Mill. Euro gegenüber, die sich auf fünf Jahre erstrecke. Die Entscheidung der Kommission wurde von einem EU-Gericht wegen schwerer Verfahrensfehler aufgehoben. Anfang 2003 hatte Schneider angekündigt, von der Kommission Schadenersatz zu verlangen.

Die EU-Kommission wies den Vorwurf eines Fehlverhaltens zurück. „Wir werden unsere Position energisch vor Gericht verteidigen“, sagte eine Sprecherin. Analysten in Brüssel bezeichneten es als unwahrscheinlich, dass sich die Kommission auf einen Vergleich einlässt. Auch ein Analyst in Paris äußerte sich skeptisch zu den Erfolgsaussichten der Klage: „Sie versuchen Brüssel gewissermaßen dafür zu bestrafen, dass der Aktienmarkt gefallen ist, was offenkundig ein bisschen zu weit geht.“ Die Kursverluste hatten den Unternehmenswert von Legrand geschmälert. Der Experte fügte hinzu: „Ich würde meinen, die 1,6 Milliarden sind nur die Verhandlungsbasis. Schneider könnte etwas bekommen, aber wahrscheinlich viel weniger als das, und ich denke, es würde einige Jahre dauern.“

Für das dritte Quartal wies Schneider einen Umsatzrückgang von 2,5 Prozent auf 2,21 Mrd. Euro aus. Der Hersteller unter anderem von Steckern und Verteilerkästen führte dies insbesondere auf die Aufwertung des Euro zum Dollar zurück. Ein höherer Euro schmälert die etwa in den USA erzielten Dollar-Einnahmen. Bei konstanten Wechselkursen hätte der Umsatz um 0,3 Prozent zugelegt. Auf dieser Basis lagen die Erlöse im Rahmen der Analystenerwartungen. Für das Gesamtjahr 2003 sagte Schneider eine leichte Verbesserung des bereinigten Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr voraus.

Schneider-Aktien lagen gegen Mittag in Paris mit 3,7 Prozent im Plus auf 48,58 Euro. Der Gesamtmarkt tendierte derweil freundlich.

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