Umstrittene Programmentscheidungen
Medienaufsicht nimmt sich Sat 1 vor

Die Einstellung der Boulevard-Magazine „Sat 1 am Mittag“ und „Sat 1 am Abend“ aus Kostengründen wird die Medienaufsicht beschäftigen. Stellt die zuständige Behörde fest, dass Sat 1 nun nicht mehr die Voraussetzungen für ein Vollprogramm erfüllt, kann der Sender sogar seine Lizenz verlieren.

HB BERLIN/MÜNCHEN. „Theoretisch kann Sat 1 seine Sendelizenz verlieren. Aber davor gibt es noch andere Stufen, wir könnten zum Beispiel strenge Auflagen erheben. Das wäre der erste Schritt,“ sagte der Direktor der zuständigen Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz (LMK), Manfred Helmes, im Gespräch im Spiegel Online. Das Medienrecht schreibe vor, dass ein Sender wie Sat 1 alle gesellschaftlichen, sozialen und politischen Aspekte des öffentlichen Lebens abbilde.

Die LMK will den Vorgang nun genau prüfen. LMK-Abteilungsleiter Rolf Platho wies am Dienstag darauf hin, dass es rechtlich noch nicht geklärt sei, wie groß der Informationsanteil eines Vollprogramms sein müsse. Auch sei nicht klar definiert, was genau unter einer Informationssendung zu verstehen sei. Kritik an den Programmentscheidungen und geplanten Einschnitten kam von Gewerkschaften und Medienpolitikern.

Auf der Hauptversammlung des Konzerns Pro Sieben Sat 1, zu dem der Berliner Sender gehört, war am Dienstag in München bestätigt worden, dass als Teil einer Kostensenkungsaktion die beiden Sat 1-Magazine eingestellt und 54 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Die beiden Sendungen wurden am Montag zum letzten Mal ausgestrahlt. Auch die vom Nachrichtensender N24 produzierten Nacht-News werden Ende August eingestellt. Insgesamt will der Konzern in Berlin 100 Arbeitsplätze und in München 80 abbauen. Der Info-Anteil von Sat 1 verändere sich dadurch nicht, betonte Pro-Sieben-Sat-1-Chef Guillaume de Posch. Auch Sat-1-Sprecherin Kristina Faßler erklärte, bei den abgesetzten Sendungen handle es sich um Infotainment- oder Boulevard-Formate. „Das waren keine Nachrichtensendungen.“

Die Hauptnachrichten „Sat 1 News“ um 18.30 Uhr sollten „unangetastet bleiben“, betonte Faßler. Es gebe in diesem Bereich „keine Überlegungen“. Allerdings scheint es fraglich, ob Moderator Thomas Kausch (44) auf seinen Posten zurückkehrt. Kausch sei vom Sender „nicht beurlaubt“, er befinde sich aber „faktisch in Urlaub“. Faßler bestätigte auf Anfrage, dass Kausch einen Tag vor Antritt seines Urlaubs sein Büro geräumt habe. Kommentieren könne sie dies nicht.

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