Umstrittener Mitgründer
Groupon-CEO: „Ich wurde heute gefeuert“

Am Donnerstag verlor die Groupon-Aktie fast einen Viertel an Wert. Nun zieht Mitgründer und CEO Andrew Mason Konsequenzen und tritt zurück. Ob das für das Schnäppchen-Portal die Wende bringt, ist jedoch unklar.
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ChicagoNach einem massiven Kurseinbruch wegen schwacher Geschäfte braucht das Schnäppchen-Portal Groupon eine neue Führung. Mitgründer Andrew Mason trat am späten Donnerstag vom Posten des Konzernchefs zurück. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden. Übergangsweise übernehmen Mitgründer und Verwaltungsratschef Eric Lefkofsky sowie sein Stellvertreter Ted Leonsis das Kommando, wie das Unternehmen am Sitz in Chicago mitteilte.

„Ich möchte Andrew für seine Führungsqualitäten, seine Kreativität und seine große Loyalität zu Groupon danken“, erklärte Lefkofsky. Der Abgang kommt allerdings nicht ganz überraschend: Immer wieder war die Ablösung Masons von Kritikern gefordert worden. Sie sprachen ihm die Fähigkeit ab, ein solch großes Unternehmen zu führen. Groupon hatte seine Buchführung zuerst nicht im Griff und enttäuschte die Anleger zuletzt immer wieder mit schwachen Geschäftszahlen.

In einem Memo an die Mitarbeiter, das die Internetseite Fast Company veröffentlichte, schrieb Mason: „Nach viereinhalb intensiven und wundervollen Jahren als CEO von Groupon, habe ich entschieden, dass ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen will. Nur ein Scherz – ich wurde heute gefeuert.“ Er schrieb weiter, dass er sich für die schlechten Zahlen des Unternehmens verantwortlich fühle und, dass das Unternehmen nun eine zweite Chance verdient habe. „Ich stehe dieser im Weg.“

Er bedauere am meisten, dass er seinem Bauchgefühl zu wenig Vertrauen geschenkt habe, und forderte die Mitarbeiter des Unternehmens dazu auf, schlechte Gewohnheiten abzulegen und sich auf die Kunden zu konzentrieren.

Bei dem Online-Portal können Unternehmen Rabatt-Gutscheine für ihre Waren und Dienstleistungen anbieten. Das Geschäft schwächelte aber zuletzt, unter anderem in Europa. Am Mittwochabend hatte das Unternehmen enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt, die Aktie verlor daraufhin am Donnerstag rund ein Viertel an Wert. Am Donnerstag zogen die Papiere nach dem Chefwechsel nachbörslich wieder um knapp zehn Prozent auf 4,90 Dollar an. Ende 2011 waren die Aktien beim Börsendebüt für 20 Dollar ausgegeben worden.

Schon länger zweifeln Anleger daran, dass das Geschäftsmodell von Groupon überhaupt auf Dauer funktionieren kann. Einige Konkurrenten haben bereits die Segel gestrichen. Amazon schrieb fast seine gesamte Investition in den Groupon-Rivalen LivingSocial ab.

Groupon hatte Medienberichten zufolge Ende 2010 eine milliardenschwere Übernahme durch den Internetkonzern Google abgelehnt. Dieser hat mit Google Offers in den USA nun inzwischen selbst ein Gutscheinportal an den Start gebracht.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Michaël Jarjour
Michaël Jarjour
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Kommentare zu " Umstrittener Mitgründer: Groupon-CEO: „Ich wurde heute gefeuert“"

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  • "Es kann eigentlich nur besser werden." - Sie haben also in großem Stil "gekauft".

  • Mit einem Polster von mehreren Mio würde ich mich auch intensiver meiner Familie widmen wollen...dabei geht es gar nicht um die verdiente Entlohnung für das Gründungsrisiko, sondern um das merkwürdige Geschäftsgebaren von Anfang an...Ich habe mich allerdings schon immer gefragt, wer diese überteuerten Aktien seinerzeit erworben hat.

  • Sie wurden gefeuert! Schön, sie haben es sich verdient. Unrichtige Ad Hock Mitteilungen, fehlerhafte Bilanzen, ständig unsolide Gebaren.
    Es kann eigentlich nur besser werden.

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