
NEU-DELHI. Ein knallharter Preiswettbewerb und unerwartet hohe Gebote für die neuen UMTS-Lizenzen bringen die Mobilfunkbranche in massive Finanzierungsschwierigkeiten, die ein Teil der Firmen voraussichtlich nicht überleben wird. Die Zahl der Anbieter, darunter die britische Vodafone und Norwegens Telenor, werde von rund einem Dutzend auf etwa acht zurückgehen, prognostiziert Mukesh Agarwal, Chefanalyst der indischen Ratingagentur Crisil. "Indiens Mobilfunk steht ganz klar vor einer Phase der Konsolidierung", glaubt auch Telekomexperte Neeraj Jain von der Wirtschaftsberatung KPMG.
Am Dienstagabend endete nach 34 Tagen heftigem Bieterwettbewerb die Auktion der Frequenzen für den Mobilfunk der dritten Generation (3G) mit Rekordpreisen, die doppelt so hoch waren als von der Regierung in Neu Delhi und den meisten Analysten erwartet. Die Einnahmen für den indischen Finanzminister betragen umgerechnet 14,6 Mrd. US-Dollar.
Selbst Marktführer Bharti Airtel gelang es nicht, in allen 22 Mobilfunkbezirken eine der jeweils drei bis vier angebotenen Lizenzen zu ersteigern. Die Preise hätten wegen des Mangels an Frequenzen und politischer Unsicherheiten das "vernünftige Maß überschritten", kritisierte Bharti Airtel. "Deshalb haben wir unser Ziel einer 3G-Lizenz für ganz Indien nicht erreicht." Eine landesweite UMTS-Präsenz kostete am Ende der Auktion 3,6 Mrd. Dollar. Keines der neun Mobilfunkunternehmen, die sich an dem Bieterwettbewerb beteiligten, war bereit und in der Lage, diesen hohen Preis zu bezahlen.
In den besonders umkämpften Metropolen Neu Delhi und Bombay kostete die Lizenz am Ende jeweils mehr als 700 Mio. Dollar. Neben Bharti Airtel kamen dort Vodafone und der indische Anbieter Reliance Communications des Multimilliardärs Anil Ambani zum Zug. Doch obwohl die zwei größten Städte des Subkontinents als potenziell viel versprechender Markt gelten, erwarten Telekomexperten eine lange Durststrecke, bis sich die Investition in das UMTS-Netz lohnt. Denn nur wenige Inder können sich die neuen Angebote wie etwa mobiles Internet überhaupt leisten.
Die Mobilfunkfirmen werden die neuen Frequenzen deshalb überwiegend für bescheidenere Aufgaben nutzen, nämlich ihre bestehenden Netze zu entlasten. Sie brechen in den Ballungsgebieten regelmäßig zusammen, denn Telefonieren ist Volkssport in Indien. Doch bei Minutenpreisen von kaum mehr als einem Cent bringt das viel zu wenig Geld, um die teuren UMTS-Lizenzen zu amortisieren. Bei Vodafone etwa betrug der durchschnittliche Mo-natsumsatz pro Nutzer zuletzt 3,45 Euro.