Stunde um Stunde schlagen am Dienstag die digitalen Wellen höher. Eine sechsstellige Zahl von Menschen dürfte an diesem Tag vom Streit erfahren. Noch am Nachmittag findet die Sache Niederschlag im Wikipedia-Eintrag der Jako AG.
Auch die Fans von Eintracht Frankfurt bekommen die Sache mit – dort ist Jako seit Jahren Ausstatter. Im Fan-Forum laufen über 120 Kommentare zum Thema auf, dann wird die Diskussion so heiß, dass keine neuen Einträge mehr erlaubt werden. Und die Eintracht-Fan-Seite „Blog G“ schreibt: „Vielleicht denkt der Kunde daran, wenn er beim nächsten Mal im Shop vor der Entscheidung steht, 70 Euro für ein Trikot der Eintracht mit dem Logo der Firma Jako auszugeben.“
Aus einem Image wird ein Umsatzproblem. Vor allem über Twitter finden fragt mancher offen, ob ein Kaufboykott den vermeintlichen Bösen in die Knie zwingen kann, desgleichen meckern viele in Fußball-Fanforen über die Qualität der Produkte.
Und Jako? Schweigt. Man befinde sich in Verhandlungen mit Baade, richtet die zuständige Marketing-Frau aus – eine Presseabteilung existiert nicht: „Wir geben derzeit keine weiteren Informationen heraus.“ Und: „Vielen Dank für ihr Interesse.“
Frank Baade dagegen verrät: Die zweite Forderung über 5 100 Euro hat Jako schon fallen lassen. Auch die erste könne man vergessen, wenn Baade einen Blog-Artikel veröffentliche, in dem er dem Unternehmen ein freundliches Verhalten bescheinige. „Aber das stimmt einfach nicht“, sagt Baade: „Die sind nur eingeknickt, weil es eine Öffentlichkeit gibt.“ Nun wartet er ab.
Nicht einmal 24 Stunden brauchte der Trikothersteller, um zum Fallbeispiel für Öffentlichkeitsarbeit im digitalen Zeitalter zu werden. Hätte Jakos Anwältin – die Mediation als Kompetenzen angibt – einfach mal angerufen vor der Abmahnung, all das wäre nicht passiert, findet Björn Ognibeni, freier Berater in Sachen Social Media. Er sieht für Jako nur eine Chance: „Ein ordentliches mea culpa und die Sache könnte durch sein.“ Nur: Weil Jako so lange gewartet hat, wird diese Entschuldigung immer schwerer: „Sie muss in allen Blogs und Foren erfolgen, bei denen die Sache ein Thema war. Die aufzuspüren und sich bei Foren anzumelden – das ist eine Menge Arbeit.“ Eines dagegen wird wohl gar nicht möglich sein: „Es ist fraglich, ob es gelingt, den Google-Eintrag reinzuwaschen.“
Gestern Nachmittag bezogen sich vier der ersten zehn Google-Treffer beim Suchwort „Jako“ auf die Affaire – und sie klettern kontinuierlich nach oben. Gestern erreichte die Geschichte Medien wie Spiegel Online. Und irgendwann, das dürfte sicher sein, wird auch in Mulfingen-Hollenbach erkannt, was da passiert ist.