Wie lukrativ auf der anderen Seite der Markt ist, zeigen die Zahlen des Festnetzanbieters Rostelecom, der zum Swjasinvest-Imperium gehört: In den ersten neun Monaten des Jahres stieg der Gewinn um fast 80 Prozent auf 8,84 Mrd. Rubel (240 Mill. Euro).
Der Umsatz der Branchen IT und Telekommunikation kletterte in der ersten Hälfte des laufenden Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23,6 Prozent auf knapp 20 Mrd. Euro, wobei der Telekom-Markt mit etwa 12,6 Mrd. Euro das Gros ausmacht. Mit einer Ebitda-Marge um die 50 Prozent sind vor allem die russischen Mobilfunker, allesamt in privater Hand, gut ein Drittel rentabler als ihre Konkurrenten auf den gesättigten Märkten Europas. Sie suchen derzeit den Sprung auf den globalen Markt, da sich die Grenzen des Wachstums in Russland bereits abzuzeichnen beginnen. Der Multimilliardär und Alfa-Eigentümer Michail Fridman möchte deshalb eine „eurasische Vodafone“ aufbauen. In den GUS-Ländern kontrollieren die drei großen russischen Mobilfunkgesellschaften fast 40 Prozent des Marktes. Beim Sprung auf die globale Ebene brauchen sie aber nach Ansicht von Analysten die Unterstützung von einem starken, internationalen Partner.
So dynamisch der russische Mobilfunkmarkt ist – so statisch bleibt das Festnetz. Leonid Reiman hält die Privatisierung der staatlichen Swajsinvest-Holding zwar nach wie vor für einen „wichtigen Schritt“, doch auch er kann nicht sagen, wann es dazu kommen wird. „An der Entscheidung sind viele unterschiedliche staatliche Stellen beteiligt. Ich kann nur immer wieder versuchen, die Kollegen zu überzeugen“, erklärte er kürzlich bei einem Treffen mit ausländischen Journalisten in Moskau.
Weafer sieht gar einen regelrechten Kampf zwischen den beteiligten Behörden: Bei der Festnetz-Privatisierung reden auch die Sicherheitsdienste mit. Ob der Telekom-Sektor künftig nicht doch zu den so genannten „strategischen Branchen“ zählen wird, bei denen Russland derzeit mit Hilfe eines neuen Gesetzes den Zugang für Ausländer regeln will, ist auch noch offen. Minister Reiman will davon aber nichts wissen: „Auf dem Sektor gab es nie Einschränkungen für ausländische Investitionen. Wir haben keine Pläne, das zu ändern.“
Das Gesetz, das eigentlich noch vor den Parlamentswahlen Anfang Dezember verabschiedet werden sollte, geht nach Jahren der internen Diskussion und einer Lesung in der Volksvertretung nun aber doch in eine weitere Beratungsrunde in der Regierung. Diese sei sich immer noch nicht einig darüber, welche Branchen endgültig geschützt werden sollten, heißt es.

