Unerwartete Offerte
Telefonica will Internetanbieter GVT übernehmen

Nach dem Go für die E-Plus-Übernahme durch die Wettbewerbshüter ist die o2-Mutter Telefonica offenbar weiter hungrig: Das spanische Unternehmen will in Brasilien mit einem Deal im Bereich des schnellen Internets punkten.
  • 0

MadridDie spanische o2 -Mutter Telefonica will ihre Einkaufstour mit einer Milliardenübernahme in Südamerika fortsetzen. Das Unternehmen legte am Dienstag überraschend ein 6,7 Milliarden Euro schweres Angebot für das Geschäft mit schnellen Internetverbindungen des französischen Medienkonzerns Vivendi in Brasilien vor. Mit der Offerte für die Breitband-Sparte GVT stieß Telefonica aber zunächst auf wenig Gegenliebe. Keine der Konzern-Töchter stünde derzeit zum Verkauf, erklärte Vivendi. Allerdings soll das Angebot bei der nächsten Sitzung des Verwaltungsrates geprüft werden.

Telefonica hat bereits seit längerem ein Auge auf GVT geworfen. Das Unternehmen ist in Brasilien führender Anbieter schneller Internet-Verbindungen. Bei einem ersten Bieterverfahren musste sich Telefonica 2009 Vivendi geschlagen geben. Mit dem Zukauf könnte Telefonica nicht nur die Stellung auf seinem zweitwichtigsten Markt stärken. Die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas birgt im Gegensatz zum weitgehend gesättigten Telekom-Märkten in Europa enormes Wachstumspotenzial. Die Wende im gebeutelten Europa-Geschäft soll Deutschland bringen, weshalb der Mobilfunk-Ableger o2 für 8,6 Milliarden Euro den Rivalen E-Plus schluckt.

Ein GVT-Kauf würde Telefonica zudem die Möglichkeit eröffnen, sich von Anteilen an Telecom Italia in Brasilien zu trennen und damit kartellrechtliche Probleme aus dem Weg zu räumen. Im Rahmen des Angebots aus einer Barkomponente sowie neuen Aktien diente Telefonica Vivendi auch einen Anteil von 8,3 Prozent an Telecom Italia an. Brasiliens Kartellbehörde Cade verlangt seit Monaten von Telefonica, Anteile an Telecom Italia zu veräußern. Hintergrund ist, dass die brasilianische Tochter der Italiener, TIM, mit Telefonicas Tochter Vivo konkurriert. TIM ist nach Vivo der zweitgrößte Mobilfunkanbieter in Brasilien.

Der GVT-Vorstoß sei ein geschickter Schachzug, wie einige Analysten Telefonica bescheinigten. Allerdings könnten ihrer Ansicht nach nun auch andere Konkurrenten Interesse an GVT anmelden. Wie aus dem Vivendi-Umfeld verlautete, sei der Preis für ein erstes Angebot gut. Es sei aber fraglich, was Verwaltungsratschef und Vivendi-Großaktionär Vincent Bollore vorhabe. Er hatte erst Ende Juni erklärt, GVT als letztes verbliebenes Mobilfunkgeschäft halten zu wollen, auch wenn sich Vivendi gerade auf sein Mediengeschäft konzentriert. Dazu hatte der Konzern jüngst seine französische Mobilfunksparte SFR verkauft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Unerwartete Offerte: Telefonica will Internetanbieter GVT übernehmen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%