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Ungewohnte Einigkeit: IT-Konzerne locken Experten nach Irland

Dank niedriger Steuern zieht es viele amerikanische Technologiekonzerne nach Irland. Doch weil die Branche so boomt, fehlt es an Personal. Deswegen starten Google, Facebook und Co in ungewohnter Einigkeit eine Kampagne.

Viele Technologiekonzerne haben einen Standort in Dublin – so auch Google. Quelle: ap
Viele Technologiekonzerne haben einen Standort in Dublin – so auch Google. Quelle: ap

DüsseldorfFür amerikanische Technologiekonzerne ist Irland ein Paradies: Die Steuersätze sind niedrig, der Datenschutz ist für europäische Verhältnisse locker. Doch inzwischen werden die Fachleute knapp. Deswegen wollen acht Branchengrößen gemeinsam mit der internationalen Kampagne „Make IT in Ireland“ Personal auf die grüne Insel locken, darunter Facebook, Google und Microsoft.

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Trotz der Konjunkturschwäche erlebe die Branche in Irland ein noch nie dagewesenes Wachstum, erklärte die Initiative am Montag. Ziel sei, ein „Bewusstsein für den boomenden Technologiesektor“ und die Karriereaussichten zu schaffen. Die Firmen werben auf der Website makeitinireland.com – wo Kandidaten auch gleich einen Lebenslauf hochladen können – sowie über diverse Soziale Netzwerke.

Die zweite Reihe hinter Facebook

  • Xing

    Das Karriere-Netzwerk Xing gehört zu den Frühstartern im Social Web, schon 2003 ging es (damals noch unter dem Namen OpenBC) an den Start, seit 2006 ist es an der Börse notiert. Ende 2012 übernahm das Medienunternehmen Burda die Mehrheit an der Aktiengesellschaft. Zuletzt hatte Xing laut AGOF-Statistik in Deutschland rund 4,8 Millionen Besucher im Monat.

  • Google+

    Das Soziale Netzwerk von Google zählt zu den Spätstartern, es ist erst seit dem Sommer 2011 online. Da der Internet-Riese es mit seinen anderen Diensten verknüpft, ist die Reichweite binnen kurzer Zeit aber schon deutlich gestiegen. Die AGOF erhebt keine Zahlen, laut Comscore waren es im Frühjahr 2013 aber beachtliche 6,7 Millionen Nutzer. Allerdings ist unklar, wie viele diesen Dienst ernsthaft nutzen.

  • Stayfriends

    Mehr eine Datenbank als ein Soziales Netzwerk ist Stayfriends: Auf der Website können Nutzer ehemalige Mitschüler suchen, sortiert nach Schule und Jahrgang. Wer alle Funktionen nutzen will, muss eine kostenpflichtige Mitgliedschaft abschließen. Laut AGOF hat der Dienst monatlich rund 4,1 Millionen Besucher.

  • Wer-kennt-wen

    Das Netzwerk Wer-kennt-wen will alte Bekannte wieder zusammenbringen. Mittlerweile gehört es vollständig zur RTL-Gruppe. Die Reichweite ist in den vergangenen Monaten deutlich gefallen, die AGOF zählte zuletzt nur noch 2,6 Millionen Besucher im Monat.

  • Twitter

    Der Kurzmeldungsdienst Twitter hat in Deutschland deutlich an Popularität gewonnen. Im März 2013 hatte er laut Comscore 3,7 Millionen Nutzer. Mittlerweile dürften es noch einige mehr sein.

  • VZ-Netzwerke

    Der Absturz ist dramatisch: Einst waren die VZ-Netzwerke das größte Social-Media-Angebot in Deutschland, mittlerweile redet kaum noch einer davon. Im Herbst 2012 verkaufte Eigentümer Holtzbrinck die Netzwerke an die Investment-Gesellschaft Vert Capital. SchülerVZ ist inzwischen geschlossen, StudiVZ und MeinVZ sind noch online, haben aber eine ungewisse Zukunft.

Besonders gesucht sind Software-Entwickler, Experten für Online-Marketing und mehrsprachiges Personal für Vertrieb, Support und Kundendienst. Insgesamt gibt es nach Einschätzung der Initiatoren 4500 offene Stellen in der Branche. Das Unternehmen Zartis, das Rekrutierungs-Software entwickelt, hatte die Kampagne entworfen. Nun haben sich Intel, Facebook, Google, Microsoft, Symantec, Oracle und Twitter angeschlossen.

Irland ist für Facebook, Google und Co ein attraktiver Standort. Der Steuersatz für Unternehmen beträgt nur 12,5 Prozent, und das irische Recht ermöglicht eine kreative Buchhaltung, mit der die Zahlungen an den Fiskus legal gedrückt werden können. Auch sind die Datenschutzregeln in Irland weniger streng als in anderen europäischen Ländern.

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Hinzu kommen die positiven Nebenwirkungen der Krise: Seit Irland im Zuge der Finanzkrise in die Rezession rutschte, sanken Mieten und Löhne gerade in der Hauptstadt Dublin deutlich. Gleichzeitig legte die Regierung diverse Programme auf, um fremde Investitionen anzulocken und die Gründung von Startups zu fördern. Die Wirtschaftsförderung IDA verweist zudem darauf, dass es viele gut ausgebildete Fachkräfte gebe.

Nach einem Bericht der IDA hat die High-Tech-Branche 2011 und 2012 Tausende neue Stellen geschaffen. So machte Twitter im vergangenen Jahr ein Büro auf, der Speicherdienst Dropbox kündigte an, einen Standort mit 40 Mitarbeitern zu gründen. Der Bezahldienst Paypal will bis 2016 weitere 1000 Jobs schaffen, der iPhone-Hersteller Apple rund 500, der Computerbauer Hewlett-Packard immerhin 280. Auch der chinesische Technologiekonzern Huawei eröffnet ein Forschungs- und Entwicklungszentrum auf der Insel. 50 Jobs sollen hier entstehen.

  • 28.01.2013, 14:27 UhrMarco99

    Tolle Sache, dass die Iren so wenig Steuern erheben. Sie können es sich ja auch leisten. Die dummen Deutschen (und die anderen Geberländer) haben Milliarden über Milliarden Richtung Irland abgedrückt. Und jetzt kommt der irische Regierungschef und will gefälligst die Einwilligung für bessere Rückzahlungsmodalitäten. Wie dummdreist kann man eigentlich sein? Die Antwort: Genauso wie die dummen Schafe der Geberländer es verdienen

  • 28.01.2013, 14:55 UhrLebemann

    Erinnern wir uns, was bereits 2001(!) in der Presse zu lesen war:
    „Irischer Minister sucht Arbeitskräfte für sein "IT-Wunderland"“
    „Ganz Irland ist ein Silicon Valley."
    Quelle: (dpa)

    Schon damals verließen viele Fachleute ihre Heimat und wollten in Irland ein neues Leben beginnen. Gelockt von den vollmundigen Versprechen aus dem angeblichen „IT-Wunderland“. Was tatsächlich folgte und zur bitteren Erkenntnis für viele deutsche Arbeitnehmer wurde, die kurze Zeit später wieder von Irland nach Deutschland zurückkehrten: Jobverlust und eine Menge zerplatzter Träume. Aus dem Auswandertraum wurde für viele IT-Fachleute ein Albtraum! Aus den Fachkräften von einst wurden schlecht bezahlte Saisonarbeiter ohne langfristige Perspektiven.

    Auch DELL ist in Irland. Fragen Sie doch mal einige IT-Mitarbeiter vor Ort, wie gut es der Branche wirklich geht und wie viele Experten die grüne Insel bereits (wieder) verlassen haben.

  • 28.01.2013, 15:01 Uhrinselaffe

    Es waren Deutsche und Britische Banken die sich in Irland eine goldene Nase verdient haben und der irische Steuerzahler muss dies nun berappen. Woher soll denn Irland das ganze Geld herbekommen haben? Und warum waurde es ueberhaup geliehen? Aber klar es ist einfach immer den Finger auf andere zu zeigen und gleichzeitig den (aus Deutscher sicht) unterbewerteten Euro ausnutzen um die Exporte oben zu halte. Darf man aber natuerlich in D nicht offen ausprechen.

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