Ungewohnte Einigkeit: IT-Konzerne locken Experten nach Irland

Ungewohnte EinigkeitIT-Konzerne locken Experten nach Irland

Dank niedriger Steuern zieht es viele amerikanische Technologiekonzerne nach Irland. Doch weil die Branche so boomt, fehlt es an Personal. Deswegen starten Google, Facebook und Co in ungewohnter Einigkeit eine Kampagne.
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DüsseldorfFür amerikanische Technologiekonzerne ist Irland ein Paradies: Die Steuersätze sind niedrig, der Datenschutz ist für europäische Verhältnisse locker. Doch inzwischen werden die Fachleute knapp. Deswegen wollen acht Branchengrößen gemeinsam mit der internationalen Kampagne „Make IT in Ireland“ Personal auf die grüne Insel locken, darunter Facebook, Google und Microsoft.

Trotz der Konjunkturschwäche erlebe die Branche in Irland ein noch nie dagewesenes Wachstum, erklärte die Initiative am Montag. Ziel sei, ein „Bewusstsein für den boomenden Technologiesektor“ und die Karriereaussichten zu schaffen. Die Firmen werben auf der Website makeitinireland.com – wo Kandidaten auch gleich einen Lebenslauf hochladen können – sowie über diverse Soziale Netzwerke.

Besonders gesucht sind Software-Entwickler, Experten für Online-Marketing und mehrsprachiges Personal für Vertrieb, Support und Kundendienst. Insgesamt gibt es nach Einschätzung der Initiatoren 4500 offene Stellen in der Branche. Das Unternehmen Zartis, das Rekrutierungs-Software entwickelt, hatte die Kampagne entworfen. Nun haben sich Intel, Facebook, Google, Microsoft, Symantec, Oracle und Twitter angeschlossen.

Irland ist für Facebook, Google und Co ein attraktiver Standort. Der Steuersatz für Unternehmen beträgt nur 12,5 Prozent, und das irische Recht ermöglicht eine kreative Buchhaltung, mit der die Zahlungen an den Fiskus legal gedrückt werden können. Auch sind die Datenschutzregeln in Irland weniger streng als in anderen europäischen Ländern.

Hinzu kommen die positiven Nebenwirkungen der Krise: Seit Irland im Zuge der Finanzkrise in die Rezession rutschte, sanken Mieten und Löhne gerade in der Hauptstadt Dublin deutlich. Gleichzeitig legte die Regierung diverse Programme auf, um fremde Investitionen anzulocken und die Gründung von Startups zu fördern. Die Wirtschaftsförderung IDA verweist zudem darauf, dass es viele gut ausgebildete Fachkräfte gebe.

Nach einem Bericht der IDA hat die High-Tech-Branche 2011 und 2012 Tausende neue Stellen geschaffen. So machte Twitter im vergangenen Jahr ein Büro auf, der Speicherdienst Dropbox kündigte an, einen Standort mit 40 Mitarbeitern zu gründen. Der Bezahldienst Paypal will bis 2016 weitere 1000 Jobs schaffen, der iPhone-Hersteller Apple rund 500, der Computerbauer Hewlett-Packard immerhin 280. Auch der chinesische Technologiekonzern Huawei eröffnet ein Forschungs- und Entwicklungszentrum auf der Insel. 50 Jobs sollen hier entstehen.

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  • Gute Frage, was hat Anglo Irish Bank mit den Bailout Geldern gemacht?

  • Ja, Dell ist (auch noch) in Irland! Nicht alle Bereiche wurden 2009 nach Osteuropa verlegt.

  • Es waren Deutsche und Britische Banken die sich in Irland eine goldene Nase verdient haben und der irische Steuerzahler muss dies nun berappen. Woher soll denn Irland das ganze Geld herbekommen haben? Und warum waurde es ueberhaup geliehen? Aber klar es ist einfach immer den Finger auf andere zu zeigen und gleichzeitig den (aus Deutscher sicht) unterbewerteten Euro ausnutzen um die Exporte oben zu halte. Darf man aber natuerlich in D nicht offen ausprechen.

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