United Internet
Zurück auf dem Boden

Der Aktienkurs des Internetkonzerns United Internet ist in der vergangenen Woche um rund 25 Prozent eingebrochen. Auslöser für einen Teil der Kursverluste ist eine für kommenden Montag anstehende Entscheidung der Bundesnetzagentur.

FRANKFURT. Oben wird die Luft dünner und die Fallhöhe größer. Diese Erfahrung muss der in den vergangenen zwei Jahren von Rekord zu Rekord eilende Internetkonzern United Internet gerade an der Börse machen. Allein in der vergangenen Woche ist der Aktienkurs trotz erneuter Rekordergebnisse im ersten Quartal um rund 25 Prozent und damit viel stärker als der gesamte Markt eingebrochen. Auslöser für einen Teil der Kursverluste ist eine für kommenden Montag anstehende Entscheidung der Bundesnetzagentur, die möglicherweise den Großhandelstarif „Net Rental“ der Deutschen Telekom für Wiederverkäufer von DSL-Internetanschlüssen kippen wird.

Doch der Reihe nach: United Internet ist mit mittlerweile 1,2 Millionen DSL-Kunden nach der Telekom-Tochter T-Online der zweitgrößte Anbieter schneller DSL-Internetzugänge. Dabei gibt es zwischen den DSL-Anschlüssen von T-Online und den der United-Internet-Marken wie 1 & 1 und Web.de keinen Unterschied, denn beide kaufen die DSL-Leitungen bei der Telekom als Vorleistung ein und vermarkten sie weiter.

Und da der Wettbewerb um DSL-Kunden immer härter wird, offeriert die Telekom seit Jahresanfang ihren größten Wiederverkäufern ein spezielles Rabattangebot mit dem Namen „Net Rental“. Was theoretisch allen Anbietern zur Verfügung steht, rentiert sich de facto jedoch nur für T-Online, United Internet und AOL. Und genau dagegen haben sich Wettbewerber wie Freenet beim Regulierer beschwert, und die Chancen stehen offenbar gut, dass sie dort auf Verständnis stoßen.

Sollte am Montag der Rabatt untersagt werden, hätte das mittelfristig unbenommen auch negative Folgen für das Geschäft von United Internet – auch wenn das Unternehmen bereits angekündigt hat, dass die Ziele für 2006 davon nicht berührt würden. Allerdings wäre das Ausmaß der Korrektur als Reaktion auf eine Änderung der Großhandelspreise bei der Telekom keine Katastrophe. So schätzen Experten den möglichen Anstieg der Kosten auf rund 20 Millionen Euro pro Jahr. Zugegeben nicht schön, aber bei einem angepeilten Umsatzplus von 50 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro und einem erwarteten Anstieg des Vorsteuergewinns um ebenfalls 50 Prozent auf 150 Millionen Euro kein Beinbruch.

Zumal der Wiederverkauf von DSL-Internetzugängen nur eines von mehreren erfolgreichen Standbeinen des Konzerns ist. Das eigentliche Kerngeschäft von United Internet ist das Betreiben von Internetauftritten für Unternehmen und Privatkunden. Rund 2,25 Millionen solcher Web-Hosting-Verträge sichern United Internet stabile, zweistellig wachsende Einnahmen. Und dieses Wachstum wird sich auf Sicht fortsetzen: Im vergangenen Jahr hat United Internet begonnen, den riesigen US-Markt für Web-Hosting zu bearbeiten. Vorige Woche erfolgte die Übernahme des britischen Anbieters Fasthosts für 90 Millionen Euro in bar, womit United Internet die Marktführerschaft in Großbritannien weiter ausgebaut hat. Darüber hinaus profitiert das Unternehmen bei der Vermarktung seiner E-Mail-Portale Web.de und GMX mit rund 20 Millionen aktiven Nutzern von wachsenden Einnahmen im Bereich der Online-Werbung und von bezahlten Mehrwertdiensten.

Vielleicht ist die nach wie vor erstklassige Positionierung des Unternehmens, die Anleger dazu getrieben hat, für die Aktie überzogene Preise zu zahlen. Allein in den vergangenen drei Monaten hat das Papier 65 Prozent auf fast 59 Euro zugelegt. Dagegen hat die Landesbank Baden-Württemberg einen fairen Wert von 43,68 Euro je Aktie errechnet. Das ist zumindest ein Indiz dafür, dass die Kursverluste bis jetzt eher eine Annäherung an den Unternehmenswert sind. Weitere Kursverluste wären allerdings eine Übertreibung nach unten.

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