Unitel Classica
Mojto baut MTV für Klassik-Fans auf

Was MTV in der Popmusik ist, soll „Unitel Classica“ für die Fans der Klassik werden: Ein weltumspannendes Sendernetz, das Opern und klassische Konzerte zeigt. Der Münchener TV-Unternehmer Jan Mojto ist gerade dabei, seinen Nischenkanal rund um die Erde an den Start zu schicken. In vielen Ländern sind die Sendungen des Filmrechtehändlers schon zu sehen.
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MÜNCHEN. „Wir haben bereits die programmlichen und technischen Voraussetzungen geschaffen, um einen globalen Klassikkanal zu schaffen“, sagte Mojto im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir arbeiten an einem MTV der Klassik“, sagt der 62-Jährige. Der einstige Stellvertreter von Medienmogul Leo Kirch hat schon erste Verträge mit Bezahlkanälen abgeschlossen. In Asien wird „Classica“ auf verschiedenen Plattformen in Japan, Südkorea und Taiwan verbreitet. Außerdem ist der Kanal in Südafrika zu sehen. In Deutschland, Italien und Spanien betreibt Mojto eigene Bezahlkanäle. „Classica“ ist hierzulande auf der Plattform des Pay-TV-Konzern Sky, Kabel BW und seit Oktober auch in den Kabelnetzen von Unitymedia zu sehen.

Noch fehlen Mojto allerdings bedeutende Länder. In spätestens drei Jahren soll „Classica“ jedoch ein globaler TV-Sender sein. „Derzeit verhandeln wir in Korea, Malaysia, den Philippinen, Vietnam und Taiwan mit Kabelnetzbetreibern, um unseren dortigen Bezahlkanal Classica einzuspeisen“, so Mojto.

Der Produzent hat sich aus gutem Grund auf den Nischenmarkt Klassik spezialisiert: Aus der Insolvenzmasse von Kirch Media hat er sich ein riesiges Archiv an Aufzeichnungen von Opern, Operetten und klassischen Konzerten gesichert. Mojto: „Wir verfügen über 2500 Stunden aus der alten Kirch-Bibliothek. Weitere 1 500 Stunden haben wir dazu gekauft oder selbst produziert.“ Mit dieser Fülle an Material lässt sich ein Sender problemlos über das ganze Jahr bestücken.

Klassik-Liebhaber Leo Kirch hatte bis zur Pleite seines Imperiums gut eine halbe Mrd. Euro in die Klassik-Produktionen gesteckt. Für einen Bruchteil davon sicherte sich Mojto die Rechte anschließend beim Insolvenzverwalter. In der Branche wird kolportiert, dass der Filmrechtehändler die auf 35 Millimeter gedrehten Konzert- und Opernmitschnitte von Herbert von Karajan, Carlos Kleiber und Leonard Bernstein für einen niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag erworben hätte.

Mojto kommentiert den Preis für die Mitschnitte nicht. Er hatte die Rechtebibliothek seinem Konkurrenten Herbert Kloiber von der Tele-München-Gruppe (Tele 5, RTL 2, ATV) im letzten Moment weggeschnappt. Der Münchener Unternehmer hat als junger Produzent zwischen 1972 und 1976 die Unitel im Auftrag von Leo Kirch geführt.

Doch es ist nicht nur der pure Geschäftssinn, der Mojto zum Aufbau eines „MTV der Klassik“ bewegt. Der Medienunternehmer bringt auch viel Herzblut ein. „Die Klassik ist kein Markt, in dem man schnelles Geld verdienen kann“, sagt er. Denn der gebürtige Slowake hat den Ehrgeiz, nicht nur Konserven zu zeigen, sondern stets auch neue Produktionen auf Sendung zu bringen.

Jedes Jahr werden 100 Stunden in Opern und Konzerten aufgezeichnet

100 Stunden zeichnet Mojto jedes Jahr in den großen Opernhäusern und Konzertsälen der Welt auf. Mit den Star-Dirigenten Christian Thielemann und Daniel Barenboim hat er Exklusiv-Verträge. So produzieren er gemeinsam mit dem ZDF das diesjährige Silvesterkonzert aus der Semperoper mit Dresdner Staatskapelle unter der Leitung von Thielemann. Renée Fleming singt Arien aus der Operette „Die lustige Witwe“.

Wurden die Aufführungen früher im Wesentlichen von ARD, ZDF, 3Sat und Arte bezahlt, so muss der Produzent heute meist in Vorleistung gehen. Bis zu 170 000 Euro kostet alleine die Technik, um ein Dutzend Kameras in Position zu bringen. Da dauert es Jahre, ehe eine Produktion in die schwarzen Zahlen kommt.

Ein weltweiter Klassikkanal besitzt viel Charme. Denn der Aufwand ist minimal, die Sendungen den lokalen Bedürfnisse anzupassen. Die jüngste Großproduktion von Mojto war „Rusalka“ an der Staatsoper in München.

HINTERGRUND: JAN MOJTO

Filmunternehmer Der 62-Jährige Jan Mojto (Foto) gründete 2002 nach dem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe in Oberhaching die Filmproduktion EOS, die sich auf TV-Mehrteiler wie „Contergan“ oder „Krieg und Frieden“ spezialisiert hat.

Musikliebhaber Im Jahr 2003 erwarb Mojto aus der Kirch-Insolvenzmasse die Musiktochter Unitel. Über seine Vertriebsfirma Beta Film verkauft der Unternehme weltweit Musikprogramme wie „La Boheme“ mit Anna Netrebko und Rolando Villazón. Außerdem betreibt er den Bezahlsender „Classica“, der sich auf Klassik konzentriert.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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