Unprofitable Großprojekte
Siemens schockt Anleger

Der Technologiekonzern Siemens muss sich nach einer Überprüfung verschiedener Großprojekte von seinen Gewinnerwartungen für dieses Geschäftsjahr verabschieden. Allein im laufenden Quartal würden unprofitable Großprojekte das Ergebnis mit mehreren hundert Millionen belasten – Analysten hatten mit weniger gerechnet. Der Fall des Aktienkurses scheint nicht zu bremsen.

HB MÜNCHEN. Im laufenden Quartal sei mit einer Ergebnisbelastung von rund 900 Mill. Euro zu rechnen, teilte das Unternehmen in der Nacht zum Montag in München mit. Den Löwenanteil der Belastungen in Höhe von 600 Mill. Euro erwarte man dabei im Kraftwerksbau, sagte Siemens- Chef Peter Löscher bei einer Telefon-Konferenz in München. Es seien Kapazitätsgrenzen überschritten worden, hieß es. Siemens finde nur schwer erfahrene Ingenieure, zudem machten die massiven Preissteigerungen bei Rohstoffen dem Unternehmen zu schaffen. Auch Lieferanten hätten mit Engpässen zu kämpfen.

Weitere 200 Mill. Euro stammten aus dem Bahngeschäft. Hier verzögere sich die Auftragsentwicklung beim Transrapid in China und bei der Niederflur-Straßenbahn Combino. Die verbleibenden 100 Mill. fallen bei Siemens IT Solutions and Services an. Dort hatte ein Kunde aus Großbritannien einen Auftrag storniert.

„Was wir hier vor uns liegen haben, ist die Aufarbeitung der Vergangenheit“, sagte Unternehmenschef Peter Löscher am Montag in einer Telefonkonferenz. Sektorchef Wolfgang Dehen kündigte an, Siemens werde sich künftig beim Bau schlüsselfertiger Meiler stärker zurückhalten.

„Der Konzern gehe davon aus, dass die Ergebnisbelastungen im laufenden Quartal den größten Teil der Zusatzbelastungen in 2008 ausmachten. Die Ziele für 2010 bestätigte Siemens. Für 2009 sei „eine klare Entwicklung“ in Richtung dieser Ziele zu erwarten.

Nach Veröffentlichung der Gewinnwarnung gerieten die Siemens-Aktien unter Druck. Am Montagnachmittag lagen die Titel um über 17 Prozent im Minus. Damit war Siemens der mit Abstand schwächste Wert in einem sehr schwachen Gesamtmarkt. Zuvor hatte das Papier bei 68,76 und damit bei mehr als 14 Prozent schwächer ein Tagestief markiert. Der Kurseinbruch gehört zu den kräftigsten Rückgängen, die das Papier an einem Tag in den vergangenen 20 Jahren verzeichnen musste.

Analysten sprechen von einer „negativen Überraschung“ und sehen teilweise einen Vertrauensverlust für das neue Management. „Der Markt war zwar auf Aufräumarbeiten bei Siemens vorbereitet, aber die Größenordnung der heutigen Gewinnwarnung hat überrascht“, meint Analyst Ben Uglow von Morgan Stanley (MS). Darüber hinaus sei im laufenden Geschäftsjahr mit weiteren Verlusten zu rechnen, wenn auch nicht in dieser Höhe.

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