Unterhaltung
IFA: Zappen zwischen TV und Web

Internet und hochauflösendes Fernsehen wirbeln die Branche durcheinander. Doch an der Schnittstelle zwischen TV und Web entstehen neue Konflikte. Denn viele Fragen sind noch ungeklärt - und die öffentlich rechtlichen Sender diskutieren bereits über eine HDTV-Gebühr. Wie Hersteller und Medienmacher um eine neue Technologie streiten.

BERLIN. Matthias Greve ist sich ganz sicher: "Videoweb wird die Fernsehwelt verändern", verspricht der Mitgründer des bekannten deutschen Internet-Unternehmens Web.de. Videoweb, das ist sein neues Baby. Das alte, Web.de, ist längst an den DSL-Konzern 1&1 verkauft, und Greve hat seinen bequemen Vorstandsposten im neuen Mutterkonzern aufgegeben. Energie und Geld steckt er nun in das Karlsruher Start-up. Auf der IFA in Berlin wird er ab Freitag sein erstes Produkt vorführen.

Der kleine schwarze Kasten mit dem Namen S 500 wird nicht nur - wie bei Settop-Boxen üblich - brav das TV-Signal von der Satellitenschüssel auf den Bildschirm des Fernsehers bringen, sondern per DSL auch das Internet und mehr. Gezappt wird dann nicht mehr nur zwischen den TV-Kanälen, sondern zwischen TV und Web.

Kabelbetreiber, Satellitenfirmen und Sendeanstalten sind entsetzt: Die Hintertür ins Wohnzimmer ihrer Kunden steht jetzt sperrangelweit offen. Wer will, spaziert einfach rein und nimmt sich seinen Teil am ohnehin schrumpfenden Werbekuchen. Warum in der "ersten Reihe" den Millionen Euro teuren Werbespot buchen, wenn der gleiche Konsument Minuten später auf Youtube mit einer Anzeige für ein paar Euro erreichbar ist?

Vor ein paar Jahren hatten Technikfreaks noch amateurhaft lärmende PCs an Fernseher angeschlossen, um zu surfen, Digitalfotos anzuschauen oder MP3-Musik über die Glotze zu steuern. Heute steht ein schickes Kästchen namens Apple TV unter dem Fernseher und holt bequem und lautlos die Digitalwelt ins Haus. Steve Jobs nennt Apple TV gerne sein "Hobby", aber das glaubt ihm längst niemand mehr. Apple TV ist ein zentrales Zukunftsprojekt und die Zeit scheint langsam reif.

Konkurrent Microsoft macht nach Schätzung von Parks Associates bereits über eine Mrd. Dollar Umsatz jährlich mit Video-Downloads, Abo-Gebühren, Spieleverkäufen und sonstigen Einnahmen über den Online-Dienst seiner Spielekonsole Xbox 360. In Großbritannien wird diese seit wenigen Monaten als Settop-Box für Pay-TV-Sender angeboten.

Betont entspannt lehnt sich Greve zurück, drückt den Startknopf und Sekunden später erscheint ein übersichtlicher Startbildschirm mit großen, bunten Symbolen. "Was wollen wir machen?", fragt er. Fotos auf dem Web-Bilderdienst Flickr ansehen? In der ZDF-Mediathek eine alte Dokumentation suchen oder lieber bei Youtube? Ein paar Kino-Trailer abrufen oder schauen, was auf Twitter gerade los ist? Alles ist nur einen Tastendruck auf der Fernbedienung entfernt. Gefällt weder das Angebot im TV noch im Web, wird ein Film in der Videothek gemietet, online bezahlt, und über die schnelle Internetverbindung gestartet. Der Fernseher bekommt ein zweites Leben im Internet, wird zum "hybriden Gerät", pendelt zwischen DSL und Satellit.

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