Unterhaltungselektronik
Die Angst shoppt mit

Noch hat die globale Finanzkrise die Endverbraucher von Konsumelektronik nicht erreicht. Dennoch bereiten sich die Hersteller bereits auf nachlassendes Wachstum vor. Öl ins Feuer der letzten Optimisten goss am Donnerstag noch einmal Nokia. Doch die Quartalszahlen des finnischen Konzern zeigen, dass Skepsis durchaus angebracht ist.

DÜSSELDORF/STOCKHOLM. Es ist nur wenig los an diesem Nachmittag im Saturn-Elektronikmarkt auf der Düsseldorfer Königsallee. In der geräumigen TV-Abteilung verlieren sich nur ein paar Neugierige. Eine Handvoll später Einkaufsbummler steht sichtlich beeindruckt vor dem gewaltigen, fast mannshohen Flachbildschirm, auf dem Kinofilm-Trailer in Blu-Ray-Qualität laufen, dem neuen hochauflösenden Standard. Auf die launige Bemerkung "Das wär doch was fürs Wohnzimmer", erntet man ein Grinsen und einen augenzwinkernden Verweis auf das Preisschild von 20 000 Euro: "Na ja, vielleicht nächstes Jahr". Dann einen kleineren Fernseher? Ein leichtes Zögern, abwägen: "Mal sehen."

Der Reiz ist da, aber die Angst schlendert mit auf jedem Einkaufsbummel durch die Gänge der großen Medienkaufhäuser. Ob 200 Euro für das Mobiltelefon, 2 000 für den Flachfernseher oder 20 000 für das ultimative Heimkino: Der Geldbeutel sitzt nicht mehr so locker für die Annehmlichkeiten dieser Welt. Kann die Elektronikbranche in dieser wichtigen Zeit ihrem Ruf als Konjunkturmotor noch gerecht werden?

Die Hoffnung ist jedenfalls noch immer da. "Die jüngsten Schlagzeilen prognostizieren zumindest ein raueres Konsumklima für das Endjahresgeschäft", sagt Oliver Haubrich, geschäftsführender Gesellschafter der Fachhandelsorganisation Electronic-Partner. Dennoch habe sich das Geschäft bislang relativ unabhängig von den Konjunkturschwankungen entwickelt. Auf der Hausmesse vor zwei Wochen verbuchte Haubrich nach eigenen Angaben sogar ein Ordervolumen seiner Händler, das "über den Erwartungen" gelegen habe.

Speziell für das wichtige TV-Geschäft kann Michael Schidlack, Bereichsleiter Konsumelektronik beim Branchenverband Bitkom, das nur bestätigen. "Die Krise hat den Endverbraucher noch nicht erreicht", sagt er.

Der Verband hat die Schätzungen für den Absatz von LCD- und Plasma-TV-Geräten erst zur IFA heraufgesetzt, auf nun rund 5,7 Mio. Stück und einen Gesamtumsatz von rund fünf Mrd. Euro. "Wir müssen aber jetzt die kommenden zwei bis drei Wochen abwarten", warnt Schidlack auch.

Was den TV-Absatz so stabil hält, ist der hohe Anteil an Ersatzgeräten. Ist ein älteres TV-Gerät kaputt, wird üblicherweise direkt ein neuer Flachfernseher gekauft. Und zwar gerade in Krisenzeiten: "Wenn keine Fernreise mehr drin ist", sagt Panasonic-Sprecher Wilson Solano, "wollen die Menschen wenigstens zuhause nicht auf einen guten Fernseher verzichten." Panasonic, weltgrößter Hersteller von Konsumelektronik, hält ebenfalls seine Absatzerwartungen aufrecht und rechnet mit steigenden Verkäufen.

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