Unterhaltungselektronik sorgt für kräftig steigende Absatzzahlen
Neuer Schub für Festplatten-Hersteller

Die Festplatten-Industrie hofft auf ein Ende der seit Jahren andauernden Durststrecke. „Noch vor drei Jahren haben wir fast nur an die PC-Branche verkauft. Jetzt kommen immer mehr Geräte aus der Unterhaltungselektronik auf den Markt, in die Festplatten eingebaut werden“, sagt Didier Trassaert vom amerikanischen Festplatten-Hersteller Maxtor.

HB MÜNCHEN. Wie viele andere Industrievertreter ist der Franzose überzeugt, dass die neuen Einsatzmöglichkeiten den Festplatten-Produzenten ein riesiges Wachstumspotenzial bieten. „In drei, vier Jahren werden wir schon mehr Festplatten an die Unterhaltungsgeräte-Produzenten liefern als an die Computerbauer“, prognostiziert Ian Vogelesang vom japanischen Festplatten-Hersteller Hitachi GST. Die Japaner erwirtschaften bereits ein Fünftel ihres Umsatzes mit Speicherplatten, die in MP 3-Player, digitale Videorekorder oder Handys eingebaut werden.

Der technische Fortschritt macht’s möglich: Während Festplatten früher so groß wie eine Hand waren, sind sie in den letzten Jahren auf den Umfang eines kleinen Feuerzeugs geschrumpft. Damit passen sie in viele tragbare Geräte, etwa den beliebten iPod von Apple.

Die Branche hat die Belebung dringend nötig. Maxtor musste im abgelaufenen vierten Quartal bei einem Umsatz von rund einer Mrd. Dollar einen Verlust von 33 Mill. Dollar hinnehmen. Die roten Zahlen sind keine Ausnahme. Die meisten der führenden Hersteller von Speicherplatten sind in den vergangenen Jahren immer wieder in die Verlustzone gerutscht.

Mittlerweile eine komfortable Position

Die Industrie ist deshalb deutlich geschrumpft und wird jetzt von einer Hand voll Hersteller dominiert: Neben Weltmarktführer Seagate und Maxtor sind das die Ableger großer asiatischer High-tech-Konzerne wie Hitachi, Toshiba und Samsung. IBM hatte sein Festplattengeschäft bereits 2003 an Hitachi verkauft.

Die Marktforscher von IDC gehen davon aus, dass die Unterhaltungselektronik bis 2008 rund 40 Prozent aller weltweit produzierten Festplatten abnehmen wird. Vergangenes Jahr waren es erst 15 Prozent. „In den Haushalten gibt es meist nur einen Computer, aber viele Geräte der Unterhaltungselektronik“, erklärt Hitachi-Manager Vogelesang das Wachstum.

Die Produzenten sind in mittlerweile einer komfortablen Position: Denn nicht nur die Unterhaltungselektronik boomt, sondern auch das angestammte Geschäft mit der Computerindustrie zieht weiter an und wird für steigende Stückzahlen sorgen. Marktforscher rechnen damit, dass im Jahr 2007 mehr als 500 Mill. Festplatten verkauft werden; 2004 waren es noch rund 300 Mill.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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