Unternehmen erwarten 2005 höheres Umsatzplus als in diesem Jahr
Deutsche IT-Industrie verspricht Wachstum und 10 000 neue Jobs

Der Wachstumsmotor Informationstechnologie und Telekommunikationsindustrie (ITK) springt wieder an. Der deutsche Branchenverband Bitkom geht davon aus, dass die Industrie im kommenden Jahr um 3,4 Prozent wachsen wird.

jojo MÜNCHEN. „Es sieht gut aus in unserer Branche“, betonte Bitkom- Präsident Willi Berchtold am Dienstag. Erstmals seit vier Jahren würden 2005 wieder Jobs aufgebaut: Der Bitkom rechnet mit 10 000 neuen Stellen vor allem in kleinen und mittelgroßen Betrieben.

„Die Trendwende bei vielen Unternehmen hin zu Neueinstellungen – und damit der Abschluss der Restrukturierung – ist das wichtigste Signal“, unterstrich Berchtold. Dass die Firmen wieder bereit sind, Mitarbeiter einzustellen, hat seinen Grund: Drei Viertel der Bitkom-Mitglieder erwarten für das kommende Jahr ein Umsatzplus. Damit beurteilen die Unternehmen ihre Aussichten deutlich besser als noch vor einem Jahr.

Besonders positiv sei derzeit die Lage der Software-Anbieter, sagte Berchtold, der bis vor kurzem das Münchener Technologie-Unternehmen Giesecke & Devrient führte. 84 Prozent der Software-Firmen hier zu Lande erwarten laut einer aktuellen Umfrage des Bitkom steigende Umsätze. Fast drei Viertel der Befragten in diesem Bereich rechnen mit mehr Gewinn, und gut die Hälfte plant Neueinstellungen. Aber auch Computerbauer, IT-Dienstleister und Mobilfunkanbieter würden momentan gute Geschäfte machen.

Die optimistische Prognose des Bitkom steht im Gegensatz zum weit verbreiteten Pessimismus in der deutschen Wirtschaft. Dazu kommt, dass auch zahlreiche große, internationale IT-Konzerne und Marktforscher ihre Wachstumsprognosen in den vergangenen Wochen zurückgenommen hatten. So warnte der Münchener Halbleiterhersteller Infineon, der größte Anbieter in Europa, jüngst vor einem schwächeren Chipmarkt im kommenden Jahr.

Der zuversichtliche Ausblick des Bitkom wird gestützt durch ein gutes Geschäft im abgelaufenen dritten Quartal. Mehr als die Hälfte der Bitkom-Mitglieder konnte ihre Einnahmen in diesem Zeitraum steigern. Alles in allem rechnet der Verband für das laufende Jahr mit einem Umsatzplus in der Branche von 2,5 Prozent auf 131,6 Mrd. Euro.

Der Bitkom steht mit seinem Optimismus nicht alleine da. Auch die Unterhaltungsgeräte-Industrie gibt sich zuversichtlich. So geht der Branchenverband GfU davon aus, dass der Markt in Deutschland im laufenden Jahr 3 Prozent zulegen wird. Wachstumstreiber im wichtigen Weihnachtsgeschäft seien Flachbild-Fernseher sowie Mobiltelefone mit digitalen Kameras. Insgesamt werden die Deutschen laut GfU dieses Jahr rund 19 Mrd. Euro für Unterhaltungselektronik ausgeben.

Allerdings können sich auch die High-Tech-Industrien der anhaltenden Wachstumsschwäche der deutschen Volkswirtschaft nicht ganz entziehen. So hatte der Bitkom im Juni noch ein Plus von 3,7 Prozent für das kommende Jahr vorhergesagt; das waren 0,3 Prozentpunkte mehr als jetzt. Im Vergleich zu früher fällt das Wachstum gering aus: Bis ins Jahr 2000 legte die Branche jedes Jahr mehr als zehn Prozent zu. Zum Vergleich: Trotz des Wachstums im laufenden Jahr erreichen die Umsätze der ITK-Industrie 2004 lediglich das Niveau des Jahres 2001.

Dass die Industrie die hohen Wachstumsraten der 90er-Jahre jemals wieder erreichen wird, halten Experten für ausgeschlossen. Viele Märkte stoßen an Grenzen. So gehen die Marktforscher von Gartner davon aus, dass sich das Wachstum der PC-Industrie von 2006 an halbieren wird, weil dann der Wiederbeschaffungsbedarf im Firmenkundenbereich gedeckt ist. Deshalb müssten sich die führenden Computerhersteller darauf einstellen, dass die Umsätze künftig jedes Jahr nur noch um zwei Prozent steigen würden. Das ist weniger als die Hälfte des derzeitigen Wachstums.

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