Unternehmen trennt sich von 60 Prozent der Künstler
BMG Deutschland mistet Eintagsfliegen aus

Die anstehende Fusion der Bertelsmann-Musiksparte mit der des Elektronikkonzerns Sony bleibt auch in Deutschland nicht ohne Konsequenzen. Die hiesige BMG-Tochter kehrt bereits mit eisernem Besen und setzt viele Künstler vor die Tür.

HB GÜTERSLOH. BMG Deutschland sei dabei, sich von 60 % seiner Künstler zu trennen, sagte der Präsident der Gesellschaft, Maarten Steinkamp, der Bertelsmann-Mitarbeiterzeitung „report“. Ein Konzernsprecher in Gütersloh bestätigte am Freitag die Angaben. Die Maßnahmen, die bereits Ende Juni weitgehend abgeschlossen sein sollen, hätten nicht vorrangig wirtschaftlichen Hintergrund. Sie seien vielmehr Teil eines „kulturellen Wandels“ im Unternehmen.

BMG Deutschland hatte bereits vor längerer Zeit einen drastischen Mitarbeiterabbau angekündigt. Die Zahl der Beschäftigten soll von 500 vor zwei Jahren auf 220 bis 230 zurückgefahren werden. Derzeit arbeiten noch knapp 300 Menschen bei BMG Deutschland. „Weniger Künstler brauchen auch weniger Menschen, die sie managen und betreuen“, sagte Steinkamp. Es habe auch Entlassungen gegeben.

Auf künstlerischer Seite will sich das Unternehmen künftig vor allem auf zugkräftige, auch für die Zukunft viel versprechende Stars konzentrieren. Steinkamp nannte Yvonne Catterfeld, die Gruppe „Oomph“ oder Andrea Berg als positive Beispiele. Andere Musiker, die nur einen Hit landeten, sollen nicht länger für die Plattenfirma tätig sein. „Im vergangenen Jahr haben sich 85 % der neuen Alben unserer nationalen Künstler jeweils weniger als 25 000 Mal verkauft“, sagte Steinkamp. Diese Quote sei unhaltbar. „Ich will die BMG Deutschland wieder richtig stark machen“, sagte Steinkamp, der die Firmenleitung im Januar von seinem Vorgänger Thomas Stein übernommen hatte. „Ich will, dass sie wieder zu dem großen Music-Powerhouse wird, das sie einmal war.“

Die in New York ansässige Bertelsmann Musiksparte BMG, derzeit weltweit Nummer fünf unter den Plattenfirmen, steht vor einer Fusion mit dem Musikarm des japanischen Elektronikkonzerns Sony. Die Wettbewerbshüter der EU prüfen derzeit den geplanten Zusammenschluss. Der Ausgang dieses Verfahrens habe aber keinen Einfluss auf die Restrukturierungen in Deutschland. „Die BMG Deutschland macht sich bereit - entweder, um eine starke Rolle an der Seite von Sony Music zu spielen, oder aber, um sich eigenständig im Musikmarkt zu behaupten. Beides wird uns gelingen“, sagte Steinkamp. Die EU will am 22. Juli über die Zulassung der Fusion entscheiden. Im Falle von grünem Licht wären dann Künstler wie Britney Spears, Dido, Outkast, David Bowie und Shakira unter einem Dach vereint.

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