Unternehmer aus Monaco will Kinderfilmproduzenten kontrollieren
TV-Loonland kämpft gegen Übernahme

Der Kinderfilmproduzent TV-Loonland wehrt sich gegen eine Übernahme durch die Finanzierungsgesellschaft Aktieninvestor.com. Aufsichtsrat und Vorstand fürchten nach einer Übernahme den Verkauf der profitablen Verleih- und DVD-Vertriebsfirma Metrodome.

HB DÜSSELDORF. Das börsennotierte Londoner Unternehmen liefert rund ein Drittel der Umsätze von TV Loonland. „Wir befürchten eine Zerschlagung des Unternehmens“, sagte Vorstandschefin Selma Käppel dem Handelsblatt.

Die Wiener Firma Aktieninvestor.com hat zusammen mit dem im Fürstentum Monaco ansässigen Unternehmer Michael Briem Ende Oktober ein öffentliches Übernahmeangebot an die über 30 000 freien Aktionäre gerichtet. Briem bietet den Aktionären 2,21 Euro pro Aktie. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen jedoch, die Offerte, die noch bis 22. November läuft, nicht anzunehmen. Briem gibt sich davon unbeeindruckt. „Ich bin zuversichtlich, dass unsere Angebot von einem Teil der Aktionäre angenommen wird“, sagte er gestern. Nach Unternehmensangaben haben sich bisher nur rund ein Prozent der Anteilseigner auf das Angebot eingelassen.

Vorstand und Aufsichtsrat von TV Loonland bekämpfen die als feindlich empfundene Übernahme. „Aktieninvestor.com verfügt über keinerlei Erfahrung im Filmgeschäft“, sagte Firmenchefin Käppel. „Offenbar geht es dem Finanzinvestor nur darum, einen schnellen Euro zu machen.“

Briem gibt dagegen an, er wolle das Unternehmen sanieren. Nach einer Übernahme wolle er die Verbindlichkeiten von derzeit rund 20 Mill. Euro zurückführen. Dafür gebe es zwei Möglichkeiten: eine weitere Kapitalerhöhungen oder den Verkauf attraktiver Unternehmensteile. Der 46-Jährige hat sein Aktienpaket von rund 32 Prozent vom Unternehmensgründer und langjährigen Vorstandschef Peter Völkle erworben.

TV-Loonland, ein Kind der New Economy, führte lange einen Überlebenskampf. Nach fünf Verlustjahren soll nun endlich wieder die Gewinnzone erreicht werden. „Wir werden 2005 schwarze Zahlen schreiben“, sagt Käppel. Am 30. November legt die Münchener Firma Quartalszahlen vor. 2004 schrieb das Unternehmen bei einem Umsatz von annähernd 15 Mill. Euro einen Netto-Verlust von über fünf Mill. Euro.

Der Markt der Kinderfilmproduzenten hat sich in den vergangenen Jahren konsolidiert. Das Überangebot an Kinderfilmen und die knappen Kassen der Sender haben dafür gesorgt, dass neben TV Loonland nur noch EM.TV mit der früheren Kinderfilmbibliothek von Leo Kirch im Markt eine Rolle spielen.

TV-Loonland konzentriert sich derzeit auf den Kino- und DVD-Verleih sowie auf Kinderprogramme. Dabei soll auch die Eigenproduktion eine größere Bedeutung erhalten. Zu den erfolgreichsten Eigenproduktionen zählen „Pettersson und Findus“ und „Cramp Twins“. Am 22. Dezember kommt der Kinderzeichentrickfilm „Heidi“ in die deutschen Kinos, den TV-Loonland für 4,5 Mill. Euro produzierte.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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