Untreue und Bestechlichkeit
Kika-Mitarbeiter muss jahrelang in Haft

Der ehemalige Herstellungsleiter des Kinderkanals muss für über fünf Jahre im Gefängnis. Er wurde wegen Untreue und Bestechlichkeit in 48 schweren Fällen verurteilt. Dabei wurden nicht nur die ARD, sondern auch der Gebührenzähler geschädigt.
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DüsseldorfEiner der  größten Korruptionsprozesse  der ARD der vergangenen zehn Jahre endet  mit einer langjährigen Haftstrafe. Das Erfurter Landgericht verurteilte den früheren Herstellungsleiter des Kinderkanals (Kika), Marco K., zu fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis. Der Manager wurde Bestechlichkeit und Untreue in 48 Fällen nachgewiesen. Mit Scheinrechnungen hat er mit einem Komplizen 4,622 Millionen Euro an Gebührengeldern in die eigene Tasche umgeleitet.

Staatsanwalt Frank Riemann sagte heute, der Manager habe das Vertrauen der Bürger in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk massiv beschädigt. Der Kika mit Sitz in Thüringens Landeshauptstadt Erfurt wird gemeinsam von ARD und ZDF betrieben. Die Aufsicht hat der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR). Doch mit der Kontrolle versagte die ARD-Tochter völlig. Laut Staatsanwaltschaft hätten die Schwachstellen in der Aufsicht die Korruption und Untreue begünstigt.

Staatsanwalt Riemann forderte sechs Jahre und acht Monate. Die Verteidigung hatte lediglich dreieinhalb Jahr Gefängnis beantragt. Der Täter Marco K. hatte die Vorwürfe bereits zum Auftakt des Prozesses Anfang Juni als richtig bestätigt.
Der Verurteilte, der jahrelang unter Spielsucht litt, hatte zwischen 2005 und 2010 mit einem Komplizen in Berlin dem Kinderkanal um Millionen betrogen, ohne dass es jemand in der Revision von ARD und ZDF aufgefallen wäre. Erst die Selbstanzeige seines Berliner Geschäftspartners im Herbst vergangenen Jahres führte zu den Ermittlungen. Nach Angaben von MDR und ZDF liefen die Gaunereien schon seit 2002.

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  • Die Antwort ist einfach: erst seit der Finanzkrise ist man auf die Idee gekommen, dass in einem Aufsichtsrat vielleicht doch mindestens ein Finanzer sitzen sollte, der z. B. eine Bilanz auch lesen kann.
    Bisher (und wohl noch lange), sind die meisten Aufsichtsräte mit "verdienten" Personen besetzt, die aber nicht in der Lage sind, aus Bilanzen oder Gewinn- und Verlustrechnungen irgendwelche Informationen zu ziehen.
    Also wird immer nur freunlich genickt, um die eigene "Dummheit" zu verbergen. In den meisten Fällen würde eine einzige gut plazierte Frage reichen - aber die Blöße möchte sich niemand geben.

  • Ob im Saarland oder beim MDR, wie können Millionen verschwinden ohne dass dies jemand (Aufsichtsrat)merkt?!
    Aber man versteht nun wenigstens auch die ständigen Gebührenerhöhungen.

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