Urhebervergütung
Durchbruch für Musikdienste im Netz

Der Online-Markt für Musik wird in Deutschland kräftig wachsen: Nach jahrelangem Streit um die Urhebervergütungen für Musikportalen haben sich der IT-Branchenverband Bitkom und die Verwertungsgesellschaft Gema geeinigt.
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München/BerlinDas teilte die Gema am Donnerstag in München mit. Die Lizenzgebühren betragen pro Musikstück zwischen sechs und neun Cent netto. Zudem enthält der neue Vertrag eine Lizenzierung von Urheberrechten für Streaming-Angebote, also die Direktübertragung von Songs über das Internet.

Die Einigung, die rückwirkend zum 1. Januar 2002 gilt, dürfte vor allem bereits im Ausland erfolgreichen Diensten wie Spotify, Apples iTunes Match und Google Music zugutekommen, bei denen Musik online gespeichert wird. Diese Dienste waren wegen des bisher fehlenden Vergütungsmodells noch nicht in Deutschland gestartet. Sie gelten jedoch als Hoffnungsträger der gebeutelten Musikindustrie.

Bitkom-Vizepräsident Volker Smid sagte: „Wir gehen davon aus, dass es künftig noch mehr Musikdienste in Deutschland geben wird, bei denen Nutzer für eine monatliche Pauschalgebühr alle Titel vollständig online hören können.“

Was die Einigung für den möglichen Start neuer Dienste in Deutschland konkret bedeutet, war zunächst offen. Ein Gema-Vertreter in München sagte auf dapd-Anfrage, ob der „Durchbruch“ auch Google Music und Apple iTunes Match helfen werde, in Deutschland starten zu können, sei noch unklar.

Bei iTunes Match stellten sich „noch ganz andere Fragen“, sagte der Gema-Sprecher. So warte Apples Dienst auch mit der Möglichkeit auf, bereits vor Jahren heruntergeladene Titel rückwirkend in der „Datenwolke“ zu aktivieren, um sie von überall aus abrufen zu können. Das sei eine Form der Nachlizenzierung. „Ob das möglich ist, müssen wir prüfen.“ Apple wollte die Einigung nach Angaben eines Konzernsprechers in München zunächst nicht kommentieren. Der Internet-Konzern Google begrüßte derweil die neuen Entwicklungen. „Das ist das richtige Signal“, sagte ein Unternehmenssprecher auf dapd-Anfrage in Hamburg. Auch er betonte aber, was dies für einzelne Dienste wie das neue Google Music konkret bedeute, könne er noch nicht absehen.

Bei Google Music liegen die Musiktitel auf zentralen Servern im Internet. Der Nutzer erwirbt eine Lizenz, kann die Titel auch lokal auf seinem Computer oder Musikgerät speichern, aber zugleich von überall aus abrufen. Ebenso funktioniert Apples iTunes Match. Die Dienste sind bisher nicht in Deutschland verfügbar, weil die Rechte und Vergütungen für Live-Abrufe der Titel nicht geklärt waren.

Musikindustrie begrüßt Einigung

In der Musikindustrie stieß die Einigung vom Donnerstag auf Beifall. „Wir freuen uns sehr über die lang erwartete Einigung zwischen der Gema und dem Bitkom, die den Eintritt weiterer Download- und Musikstreaming-Dienste in den deutschen Markt erleichtert“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke, auf dapd-Anfrage in Berlin. Dennoch könne das Verhandlungsergebnis nur ein erster Schritt für die „überfälligen Einigungen in der werbefinanzierten Musiknutzung sowie auch im Videobereich sein“.

Rein werbefinanzierte Musikdienste und Musikvideos werden von dem neuen Vertrag nämlich noch nicht abgedeckt. Dazu setzen Bitkom und Gema ihre Verhandlungen weiter fort. Ebenso laufen weiter Verhandlungen für Online-Videoangebote wie YouTube. Der Google-Sprecher sagte, die Verhandlungen mit der Gema für YouTube seien von der jüngsten Einigung „nicht tangiert“.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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