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Dell plant Smartphone für China

Der Computerkonzern Dell steigt in den chinesischen Markt für Smartphones ein. Das US-Unternehmen bestätigte am Dienstag entsprechende Pläne, nachdem es zuvor auf einer Veranstaltung in Peking den Prototypen eines Touchscreen-Gerätes mit dem Google-Betriebssystem Android präsentiert hatte. Wenn sich Dell beeilt, könnten sie Apple gewaltig ärgern.

DÜSSELDORF. Wann und zu welchem Preis das Smartphone erhältlich sein wird, teilte der Konzern nicht mit. Erste Fotos und Details wurden auf der chinesischen Technik-Webseite www.163.com veröffentlicht. „Wir können bestätigen, dass wir zusammen mit dem weltgrößten Mobilfunkanbieter China Mobile an der Entwicklung verschiedener Produkte arbeiten“, sagte ein Dell-Sprecher auf Anfrage. „Die in China gezeigten Geräte sind reine Prototypen, es gibt noch keine Produktspezifikationen oder Ankündigungen.“ Dell arbeite auch an Netbooks und Laptops mit Internetanbindung für den Markt. CEO Michael Dell hatte bereits Ende Juli generell ein künftiges Engagement des Unternehmens im Mobiltelefonmarkt bestätigt. Dell leidet derzeit massiv unter der Wirtschaftskrise, die zu einer erheblichen Kaufzurückhaltung bei PCs für den Unternehmenseinsatz geführt hat, die wichtigste Sparte des Konzerns.

„Der Einstieg in diesen Bereich ist seit langem erwartet worden“, kommentierte Analyst Maynard Um von UGB AG in New York die Pläne. „Der Markt ist allerdings langsam ziemlich gut bevölkert. Das erhöht den Druck auf die Preise und die Margen“, schreibt Um in einer Notiz. Die Dell-Aktie legte im frühen New Yorker Aktienhandel leicht zu.

Wenn sich der zweitgrößte PC-Hersteller der Welt beeilt, könnte er sogar noch vor Apple den Eintritt in den chinesischen Mobiltelefon-Markt schaffen. Dessen iPhone solle „innerhalb der kommenden zwölf Monate“ sein Debüt in China geben, hatte Finanzvorstand Peter Oppenheimer beim jüngsten Analystengespräch im Juli erklärt. Wie weit die Verhandlungen tatsächlich sind, wollte er nicht kommentieren. China gilt als wichtiger Meilenstein für Apple, um die Ziele für 2010 zu erreichen. Angeblich ist für China ein Absatz von bis zu fünf Mio. iPhones avisiert. Apple erklärte auf Anfrage, man nehme zu Gerüchten grundsätzlich keine Stellung.

Smartphones wachsen als einziges Segment im Mobiltelefonsegment ungebremst. Im zweiten Quartal stieg der weltweite Absatz der computerähnlichen Mobiltelefone mit Internet-Funktionalitäten um 27 Prozent auf 40,9 Mio. Einheiten. Der Gesamtmarkt für Handys sackte dagegen um 6,1 Prozent auf 286,1 Mio. Geräte ab.

Führend im Smartphone-Segment ist Nokia mit 45 Prozent Marktanteil. Die Finnen sind auch in China stark, allerdings überwiegend im Einsteiger- und Niedrigpreissegment. Nummer drei und erste asiatische Firma im Ranking ist HTC aus Taiwan, Nummer fünf ist Fujitsu. Der japanische Hersteller hat es aber nicht geschafft, aus dem Heimatland nach China zu expandieren. Große Chancen billigt Gartner-Analystin Carolina Milanesi den koreanischen Massenherstellern Samsung und LG zu. „Beide haben im Mobiltelefon- und Smartphonebereich Touchscreen-Geräte mit gutem Preis-Leistungsverhältnis und könnten von der Einführung des schnellen Datenstandards 3G in China profitieren“, sagte sie. China will einen eigenen, nicht mit dem westlichen UMTS-Netz kompatiblen System starten.

Laut dem Branchendienst ZDNet wird Dells Smartphone, das den Namen Mini 3i trägt, mit einer 3,2-Megapixel-Kamera ausgestattet sein, sowie GPS-Navigationssensor, Bluetooth und einem 3,5-Zoll-Touchscreen mit 360 x 640 Bildpunkten. W-Lan für den drahtlosen Internetzugang soll nicht an Bord sein. Dies könnte auf Druck der chinesischen Regierung erfolgt sein, die die kaum kontrollierbaren mobilen Internetzugänge angeblich unterbinden will. Verbissen geführte Diskussionen über eine Spezialversion des iPhones ohne W-Lan sollen auch Grund für die hinausgezögerte Markteinführung des iPhones sein. Apple soll bislang nicht bereit sein, auf W-Lan zu verzichten.

Der größte Mobilfunker China Mobile wird der Provider für das Dell-Android-Smartphone, das dann unter der Marke Ophone vertrieben werden soll. Apple verhandelt angeblich mit der Nummer zwei, China Unicom.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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