US-Drehbuchschreiber im Ausstand
Letterman muss schweigen

Seit Wochen gibt es im US-Fernsehen nichts zu lachen: Die Sender strahlen Wiederholungen aus, weil die Drehbuchschreiber streiken. Ein rasches Ende gilt als unwahrscheinlich. Doch je länger der Streik dauert, desto größer werden die Risiken für beide Seiten. Eine Handelsblatt-Reportage.

NEW YORK. Es ist ein Ritual – seit mehr als zehn Jahren. An Thanksgiving, dem amerikanischen Erntedankfest Ende November, lässt sich David Letterman in seiner „Late Show“ live mit seinem Elternhaus verbinden. Sobald seine über 80-jährige Mutter auf dem Bildschirm erscheint, versetzt sich der Talkmaster in Trance und versucht zu ergründen, was für Kuchen Mama für den Feiertag gebacken hat: Blaubeer? Nuss? Schokolade? Zitrone?

In diesem Jahr kannten Fans der Sendung die Antwort allerdings schon: Kürbis und Apfel. Dafür hatte sich Mutter Letterman im Jahr 2006 entschieden.

Wenn Hollywoods Drehbuchautoren streiken, fehlen selbst CBS-Star Letterman die Worte. Seit Anfang des Monats werden Konserven ausgestrahlt – Sendungen, die bereits vor Wochen, Monaten oder vor einem Jahr über die Mattscheibe flimmerten. Neun von zehn Shows im amerikanischen Fernsehen sind derzeit Wiederholungen.

Dabei kommt es immer wieder zu unfreiwillig komischen Szenen, etwa wenn Talkstar Jay Leno mitten im November der Schauspielerin und Sängerin Jennifer Lopez zum Geburtstag gratuliert, obwohl diese im Juli geboren ist. Oder wenn Letterman mit Bill Clinton über den Besuch des Präsidenten im Irak diskutiert, der „letztes Wochenende“ stattgefunden habe. Tatsächlich war George Bush Anfang September bei den Truppen.

Der Streik der Autoren dauert nun schon 23 Tage. Es ist bei weitem nicht ihr längster Ausstand: 1988 dauerte es fünf Monate, bis die Beteiligten einen ähnlichen Konflikt beigelegt hatten. Aber ein rasches Ende gilt auch dieses Mal als unwahrscheinlich.

Immerhin haben sich die Autorengewerkschaft Writers Guild of America (WGA) und die Produzentenvereinigung Alliance of Motion Picture and Television Producers (AMPTP) nach wochenlangem Schweigen diese Woche zu Gesprächen getroffen. Eine Einigung steht allerdings noch aus.

Die Autoren fordern höhere Tantiemen für Sendungen, die per DVD vertrieben werden: Sie sollen sich pro Verkaufsexemplar von vier auf acht Cent verdoppeln. Schon das ist aus Sicht der Produzenten zu viel. Die Autoren wollen aber außerdem an den boomenden Erlösen aus dem Onlinevertrieb beteiligt werden. Davon sehen sie bislang keinen Cent. Und sie verlangen Geld für Videos, die Internetnutzer umsonst auf den Webseiten der Sender abrufen können. Diese Forderung hat zu einem regelrechten Aufschrei der Produzentenvereinigung geführt. Würden sie darauf eingehen, hieße das: Die Konzerne müssten die Autoren an den Online-Werbeeinnahmen beteiligen. So etwas habe es noch nie gegeben, schrieb die AMPTP in einem offenen Brief, „ein derartiger Vorschlag ist vollkommen lächerlich“.

Seite 1:

Letterman muss schweigen

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%