US-Investmenthaus 3i schert aus Konsortium aus
Berliner Verlag steht kurz vor Übernahme

Der Verkauf des Berliner Verlags („Berliner Zeitung“) an ein britisches Konsortium um die Mecom plc. steht kurz bevor.

HAMBURG. „Ich gehe davon aus, dass die Verhandlungen weitergeführt werden und es zu einem erfolgreichen Abschluss kommt“, sagte ein Mecom-Sprecher dem Handelsblatt. Möglicherweise ist noch in dieser Woche mit einer Übernahme zu rechnen, heißt es in verhandlungsnahen Kreisen.

Der Mecom-Chef David Montgomery und das amerikanische Investmenthaus Veronis Suhler Stevenson (VSS) verhandeln seit Freitag mit der Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck allein über einen Erwerb des Berliner Verlagshauses. Grund hierfür ist, dass sich der britische Investor 3i überraschend aus dem Bieterkonsortium verabschiedet hatte. Bislang hatten sich Mecom, VSS und 3i gemeinsam um einen Erwerb des Berliner Verlags bemüht. Deutschland-Chef Stephan Krümmer von 3i begründete den Rückzug damit, dass man sich mit den Partnern des Konsortiums nicht über die Rahmenbedingungen einig geworden sei. Es habe aber keinen Streit gegeben.

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrink, zu der auch das „Handelsblatt“ und die „Zeit“ gehören, will sich von dem Berliner Zeitungshaus aus kartellrechtlichen Gründen trennen. Zum Berliner Verlag mit seinen 400 Mitarbeitern gehören ferner der „Berliner Kurier“ sowie das Stadtmagazin „tip“. Das Unternehmen schreibt solide Gewinne.

Gegen den Einstieg von Montgomery beim Berliner Verlag regt sich seit einigen Tagen massiver Widerstand. Der Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, Uwe Vorkötter, befürchtet, dass durch die Mecom-Gruppe das journalistische Angebot und Profil der Tageszeitung zerstört wird. Der Betriebsrat sowie Mitarbeiter rechnen ferner damit, dass die neuen Investoren das Printhaus zerschlagen, um schnell die Rendite zu steigern. Sie hatten deswegen am Donnerstag in Frankfurt demonstriert.

Den Widerstand gegen die Mecom-Gruppe hat sich hingegen der Kölner DuMontVerlag („Kölner Stadt–Anzeiger“, „Express“) zunutze gemacht. Das traditionsreiche Verlagshaus legte laut Medienberichten vergangene Woche ein Gegenangebot vor. DuMont versicherte, dass man die hohe journalistische Qualität des Berliner Zeitungshauses weiter verfolge und hoffe, dass das Angebot angesichts der aktuellen öffentlichen Situation berücksichtigt werde.

Doch das Kölner Verlagshaus dürfte kaum zum Zuge kommen. Denn das Angebot für den Berliner Verlag sei zu spät eingegangen, „die anderen waren etwas früher dran“, versicherte Holtzbrinck-Geschäftsführer Michael Grabner der „Welt“.

Dennoch appellierte Kulturstaatsministerin Christina Weiss am Wochenende an die Verantwortung der Stuttgarter Verlagsgruppe: „Es geht hier nicht um eine rein wirtschaftliche, allein dem Finanzmarkt zu überlassende Transaktion. Vielmehr berührt die Zukunft des Berliner Verlags und seiner Publikationen die öffentliche Kommunikation und die Zeitungskultur in Deutschland“, sagte Weiss am Rande der Frankfurter Buchmesse.

Eine Sprecherin der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck wollte hierzu keinen Kommentar abgegeben. DuMont war am Wochenende für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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