US-Investor schmeißt hin
Guy Wyser-Pratte steigt bei Balda aus

Der ruppige Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte hat sich beim deutschen Handyausrüster Balda eine blutige Nase geholt. Nachdem er das Unternehmen erst aufspalten wollte und dann den Aufsichtsrat zum Rücktritt aufforderte, gibt Wyser-Pratte nun entnervt auf. Was bleibt sind Vorwürfe und ein Verlust in zweistelliger Millionenhöhe.

DÜSSELDORF. Der Finanzinvestor Guy Wyser -Pratte hat sich ein Jahr nach seinem Einstieg bei Balda mit hohen Verlusten von seinen Anteilen an dem ostwestfälischen Handyzulieferer getrennt. Wie Wyser -Pratte dem Handelsblatt bestätigte, hat der Amerikaner in den vergangenen Tagen mehr als drei Millionen Aktien von Balda verkauft. Wyser -Pratte war im März 2007 bei einem Kurs von rund sieben Euro eingestiegen und hielt fünf Prozent der Aktien. Zum Handelsschluss an der Börse Frankfurt lag der Balda -Kurs am Freitag bei 2,37 Euro.

"Das Management von Balda hat in den vergangenen Wochen jede Glaubwürdigkeit an den Finanzmärkten eingebüßt", erklärte Wyser -Pratte seinen Ausstieg. "Jetzt hat das Management auch mein Vertrauen verloren. Ich habe ein Jahr lang versucht, der Balda -Führung klarzumachen, dass man am Kapitalmarkt so nicht auftreten kann. Aber es ist offenbar hoffnungslos."

Anfangs hatte der Finanzinvestor große Chancen gesehen. 2006 schrieb Balda nach der Pleite des Großkunden BenQ bei einem Umsatz von 371 Mill. Euro einen Verlust von 42 Mill. Euro. 2007 schien sich die Lage zu stabilisieren. Balda bereitete den Verkauf des europäischen Handyschalengeschäfts vor und konzentrierte seine Produktion in Asien. Die Tochterfirma TPK sorgte mit ihren Touch-Screens, die unter anderem in das neue iPhone von Apple eingebaut werden, für viel Kursfantasie. Mehrere Hedge-Fonds, darunter Wyser -Pratte, stiegen ein.

Doch nachdem die Balda -Aktie vorübergehend auf zwölf Euro gestiegen war, überwogen in der zweiten Jahreshälfte die Bedenken. Analysten beschwerten sich, dass Vorstandschef Joachim Gut die eigenen Vorhersagen verfehlte. Ende 2007 kam es dann aus Sicht der Aktionäre zum totalen Vertrauensbruch. "Ich saß mit Gut zusammen beim Essen und er hat mir gesagt, alles sei in bester Ordnung, die Finanzierung von Balda ist sicher", sagt Wyser -Pratte. "Einen Tag später teilte Balda mit, dass man eine Kapitalerhöhung durchführt."

Seitdem hat Wyser -Pratte hat nach eigener Darstellung kein Wort mehr mit Gut gesprochen. Er beteiligte sich zwar noch an der Kapitalerhöhung, bei der vier Großaktionäre von Balda dem Unternehmen eine Finanzspritze von 68 Mill. Euro garantierten, in dem sie Aktien zum Stückpreis von zehn Euro zeichneten. Doch nur kurze Zeit später kam die nächste Katastrophenmeldung: Der Verkauf einer defizitären Tochtergesellschaft könne den Konzern in Zahlungsschwierigkeiten bringen, meldete Balda. Ende Februar wurde der Verkauf rückgängig gemacht. Die Vorlage der Bilanz 2007 wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Wyser -Pratte hat inzwischen die dunkelsten Befürchtungen. "Ich kann mir vorstellen, dass Gut Balda bewusst in diese Lage gebracht hat, um dann bei einer Insolvenz die Tochter TPK billig herauszulösen", sagt der ehemalige Großaktionär von Balda. "Wo sind eigentlich die 68 Mill. Euro hin, die Balda vor drei Monaten von den Aktionären bekommen hat?"

Nach Darstellung von Balda wurde das Geld aus der Kapitalerhöhung zur Refinanzierung von Balda genutzt. Bereits Ende Februar aber war die Finanzlage wieder so angespannt, dass die Banken des Unternehmens nicht bereit waren, einen Überbrückungskredit zu finanzieren. Inzwischen stützt sich das Management auf einen Geldgeber, dessen Namen der Vorstand nicht nennen will.

Wyser -Pratte ist nicht der einzige Großaktionär, der sich von seinen Balda -Aktien getrennt hat. Auch Morgan Stanley verkaufte in der vergangenen Woche ihr Fünf-Prozent-Paket. Die Investmentbank war erst im Januar bei Balda eingestiegen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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