US-Kabelnetzbetreiber
Comcast prüft Kauf von NBC

Der größte amerikanische Kabelnetzbetreiber Comcast will beim Fernseh- und Filmkonglomerat NBC Universal einsteigen. Der US-Kabelkonzern greift nach damit nich nur das Sendern, sondern auch einem Hollywood-Studio.

DÜSSELDORF. Zum derzeitigen Stand sei unklar, ob die Gespräche zum Erfolg führe, berichteten am Donnerstag mehrere führende US-Medien. Offen ist auch, ob der Kabelnetzbetreiber NBC Universal komplett übernimmt oder nur einen Anteil bis zu 50 Prozent kauft. Den Unternehmenswert von NBC Universal beziffern Analysten auf 21 bis 23 Mrd. Dollar. Inklusive einem Premium dürfte sich der Kaufpreis ihrer Schätzung nach zwischen 30 und 35 Mrd. Dollar bewegen.

Comcast dementierte, dass die Übernahme schon beschlossen sei - ein Hollywood-Blog hatte dies gemeldet. "Normalerweise kommentieren wir keine Gerüchte im Bereich von Merger und Aquisitionen, aber der Bericht über einen vollzogenen Kauf von NBC Universal ist fehlerhaft", sagte ein Sprecher. Zu gegenwärtigen Verhandlungen wollte er sich aber nicht äußern.

NBC Universal besteht aus dem Hollywood-Studio Universal und einer Reihe von Fernsehsendern wie NBC und den Wirtschaftskanal CNBC. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft von General Electric (GE). Der Mischkonzern hält 80 Prozent der Anteile. Weitere 20 Prozent hält der französische Medien- und Telekomkonzern Vivendi. In Deutschland besitzt NBC Universal die Bezahlsender 13th Street und SciFi. Außerdem sind die Amerikaner an den Pay-TV-Kanälen History Channel und Biography Channel beteiligt. Den früheren Spielfilmsender "Das Vierte" verkaufte der Konzern wegen hoher Anlaufverluste.

Spekulationen über einen Verkauf gibt es bereits seit Monaten. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Vivendi seinen Anteil abgeben möchte. Vivendi-Chef Jean-Bernard Levy sagte vor kurzem, dass noch nicht entschieden sei, ob der Anteil von NBV Universal noch in diesem Jahr verkauft werde. Eine Sprecherin von Vivendi lehnte am Donnerstag einen Kommentar ab. Auch GE wollte sich nicht zu Marktspekulationen äußern.

Die Franzosen hatten mit dem Einstieg in Hollywood unter ihrem früheren CEO Jean-Marie Messier Milliarden verbrannt. NBC Universal wurde vor fünf Jahren gegründet. Damals legte GE sein US-Network NBC mit den Universal Studios samt dessen Themenpark- und Kabelgeschäft zusammen. Die Franzosen haben laut Vertrag das Recht auszusteigen, müssen diese Absicht aber zwischen dem 15. November und 10. Dezember erklären. GE hat laut den bei der US-Börsenaufsicht eingereichten Unterlagen ein Vorkaufsrecht für die Anteile sowie die Berechtigung, diese an einen anderen Investor zu verkaufen. Allerdings kann Vivendi seinen Anteil auch über einen Börsengang von NBC abstoßen. Eine Entscheidung könnte auf der nächsten Sitzung des Vivendi-Verwaltungsrats am 14. Oktober fallen.

Das mögliche Interesse von Comcast an NBC Universal kommt nicht völlig überraschend. In den vergangen Wochen ließ der Kabelnetzbetreiber durchblicken, dass er an Zukäufen im Fernsehgeschäft interessiert sei. Der Konzern besitzt bereits den Unterhaltungskanal E! und den Sportsender Versus.

Innerhalb von GE wird ein möglicher Ausstieg bei NBC Universal mit größter Geheimhaltung diskutiert. "Wir erfahren da überhaupt nichts", sagt ein europäischer NBC-Universal-Manager. In Deutschland sind die Bezahlkanäle 13th Street und SciFi nach Angaben von Unternehmensinsidern profitabel. Derzeit plant NBC Universal in Deutschland einen Frauensender namens Diva. "Die Gründung eines international bereits erfolgreichen Frauensenders wie Diva ist für uns eine Option", sagte Deutschlandchefin Katharina Behrends zuletzt. Nach internen Vorgaben soll der neue Kanal bereits im ersten Jahr profitabel sein.

Die GE-Tochter hat bereits Gespräche mit dem Bezahlsender Sky geführt. Auf der Plattform von Sky soll der neue Frauensender dann starten. Das Interesse der Tochter des amerikanischen Medienkonzerns News Corp. soll nach Angaben von Beteiligten allerdings beschränkt sein. Sky hat derzeit zahlreiche Angebot von weiteren Bezahlsendern.

Pokerspiel der Medienriesen

NBC Universal

Der Fernsehkonzern entstand 2004. Damals erwarb General Electric (GE) von Vivendi 80 Prozent der Anteile. GE zahlte an die Franzosen 3,4 Mrd. Dollar und tilgte Schulden von 1,7 Mrd. Dollar. NBC Universal erzielte zuletzt einen Umsatz von 17 Mrd. Dollar.

Comcast

Das Unternehmen ist mit 24 Mio. Kunden der größte Kabelkonzern der USA.

Zusammen mit seinen TV-Stationen erzielt das Unternehmen einen Umsatz von zuletzt 34,3 Mrd. Dollar. Comcast ist damit die Nummer eins im weltweiten Mediengeschäft.

Vivendi

Der Medien- und Telekomkonzern Vivendi zeigt sich unbeeindruckt von der Rezession. Im vergangenen Jahr erzielte Vivendi einen Umsatz von 25,4 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) lag bei knapp fünf Mrd. Euro.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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