US-Konzern hat im Bieterstreit um MGM-Filmstudios die besseren Karten
Sony und Time Warner pokern um die MGM-Filmstudios

Der Kampf um das Hollywood-Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) geht offenbar in die Schlussphase. Eine Entscheidung könnte nach Einschätzung von Beobachtern bereits in der kommenden Woche fallen. Im Rennen sind der japanische Elektronik- und Unterhaltungskonzern Sony sowie der US-Mediengigant Time Warner.

NEW YORK.Sony hat zwar zuerst die Hand gehoben und mehr Geld auf den Tisch gelegt. Dennoch könnten die Japaner am Ende den Kürzeren ziehen. Obwohl Time Warner weniger bezahlen will als Sony, liegen die Amerikaner in den Augen von Experten leicht vorn. „Das Angebot von Time Warner ist sauberer“, meint David Mantell, Analyst bei Loop Capital Markets. „Dort kann man sich jederzeit hinsetzen und den Scheck schreiben.“ Bei der Sony-Offerte sehen die Fachleute dagegen „Schwierigkeiten“, da die Japaner nicht allein, sondern in einem Konsortium bieten.

Schon seit April verhandelt Sony über den Kauf der Studios. MGM-Großaktionär Kirk Kerkorian, der 74 Prozent der Anteile hält und das Unternehmen schon mehrmals verkauft und wieder zurückgekauft hat, strebt nach US-Medienberichten einen Erlös von fünf Mrd. Dollar an. Sony soll – inklusive der MGM-Schulden von mehr als zwei Mrd. Dollar – annähernd den geforderten Preis bieten. Zur Schonung der eigenen Finanzen haben sich die Japaner mit den Beteiligungsgesellschaften Texas Pacific Group und Providence Equity Partners zusammengetan. Time Warner stieg erst Anfang Juli in das Übernahmerennen ein und bietet eine Summe zwischen 4,5 und 4,6 Mrd. Dollar.

Dass MGM trotzdem noch keinen Vertrag mit Sony unterschrieben hat, macht Analyst Mantell skeptisch: „Es muss Probleme geben, sonst wäre das Geschäft längst gemacht.“ Der amerikanische Medienexperte Harold Vogel sagt, dass es an einer Einigung zwischen Sony und seinen Partnern hapere. Die Unternehmen selbst wollten den Stand der Verhandlungen nicht kommentieren.

Wie wichtig MGM für Sony ist, hat Finanzvorstand Katsumi Ihara Anfang dieser Woche betont: „Die Übernahme ist notwendig, damit unser Filmgeschäft langfristig wachsen kann.“ Dabei geht es Sony nicht um die Studios, sondern um die prallvolle Filmbibliothek von MGM. Zu den über 4000 Streifen darin gehören Dauerbrenner wie „James Bond“, „Ben Hur“, „Vom Winde verweht“ oder „Rocky“. Diese Filme wolle Sony künftig mit neuer Technik verknüpfen, um sie so an den Käufer zu bringen, erklärt Vogel. Gedacht ist dabei an Videospiele oder die Entwicklung eines eigenen DVD-Standards.

Bisher hat Sony relativ wenig Hollywoodstars im Köcher: Rund 3 500 Filme stehen in den Regalen. Time Warner bringt es auf rund 6 600 Streifen – und brauche MGM daher nicht unbedingt, sagt Analyst Rob Sanderson von American Technology Research. „Time Warner ist schon stark in der Filmproduktion und hat eine große Bibliothek.“

Analyst Tom Wolzien von Sanford C. Bernstein & Co. ist sich dennoch nicht sicher, ob sich ein MGM-Kauf für Time Warner lohnen würde. So hat MGM trotz des DVD-Geschäfts mit der Filmbibliothek im vergangenen Jahr einen Nettoverlust von knapp 162 Mill. Dollar verbucht. Ein Jahr zuvor lag das Minus bei 142 Mill. Dollar. Auch Sony dürfte es angesichts dieser Zahlen schwer fallen, eine Investition von fast fünf Mrd. Dollar zu amortisieren, sagt Medienexperte Vogel.

Doch eine Hürde steht für den möglichen Käufer noch aus: Beide Medienriesen müssen eine längere Prüfung der Wettbewerbshüter einkalkulieren, da sowohl Sony mit Columbia-Tristar als auch Warner Brothers bereits zu den führenden Hollywoodstudios zählen.

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