US-Konzern holt lokale Anbieter ins Boot und will kräftig wachsen
Dell greift etablierte IT-Dienstleister an

Nach dem PC-Markt will Computerbauer Dell jetzt offenbar auch das Servicegeschäft aufrollen: „Das ist ein gigantisch großer Markt, den wir stärker ins Visier nehmen“, sagte Stefan Bachmann, der bei Dell in Deutschland diese Sparte verantwortet.

MÜNCHEN. Im zurückliegenden Geschäftsjahr erwirtschaftete Dell mit IT-Dienstleistungen einen Umsatz von vier Mrd. Dollar (3,1 Mrd. Euro). Dabei soll es nicht bleiben. „Der Anteil an den Gesamteinnahmen wird steigen“, kündigte Bachmann an.

Zuletzt lag der Jahresumsatz des Konzerns insgesamt bei 50 Mrd. Dollar. Für die nächsten Jahre peilt Dell-Chef Kevin Rollins eine Steigerung auf 80 Mrd. Dollar an. Das bedeutet, dass das Service Geschäft erheblich zulegen soll, selbst wenn sein prozentualer Anteil in den nächsten Jahren gleich bliebe.

Bislang spielen die IT-Dienstleistungen von Dell kaum eine Rolle. Das Geschäft wird von anderen Anbietern dominiert. Allein in Deutschland erzielte der US-Konzern IBM zuletzt einen Dienstleistungs-Umsatz von 2,8 Mrd. Euro. Der größte Deutsche Anbieter T-Systems kam auf 2,5 Mrd. Euro, Siemens Business Services auf 1,6 Mrd. Euro. Insgesamt erreichte der Markt in Deutschland vergangenes Jahr 32 Mrd. Euro, in Westeuropa waren es nach Angaben der Marktforscher von Gartner 163 Mrd. Euro.

Selbst wenn Dell auf dem Gebiet noch klein ist: Im PC-Geschäft hat Dell bewiesen, dass der Konzern die Wettbewerber überholen kann. Maßgeblichen Anteil daran hatte das besondere Verkaufsmodell. Dell kommt ohne Händler aus und bringt seine Geräte direkt an den Mann. Rechner werden erst dann gefertigt, wenn sie bestellt wurden. Dies und eine schlanke Fertigung fast ohne Lagerhaltung führten zu Margen, wie sie in der IT-Industrie nur wenige Anbieter erzielen.

Das Modell übertragen die Amerikaner nun auf IT-Dienstleistungen. Das heißt: Die Firma unterhält kein großes Beraternetz, sondern greift auf lokale Anbieter zurück. Dell übernimmt hauptsächlich das Projektmanagement. Der Vorteil: „Wir müssen keine Heere von Beratern auslasten wie die Konkurrenz, sondern holen uns das Know-how ins Haus, wenn es einen Auftrag gibt,“ betont Bachmann.

Die Firma bietet zudem lediglich einige ausgewählte, standardisierte Dienstleistungen an, die an die Produkte gekoppelt sind. Dabei geht es etwa darum, die PCs in einem Unternehmen auszutauschen, zu konfigurieren, die Benutzer zu unterstützen oder die Geräte zu reparieren.

Die enge Verbindung von Dell-Rechnern und Dienstleistungen kommt offenbar an. „Die weltweite Verfügbarkeit, das hervorragende Preis-Leistungsverhältnis und die umfangreichen Serviceleistungen“, hätten für den US-Konzern gesprochen, heißt es etwa bei Heidelberger Druck. Das Unternehmen ließ von Dell 16 000 Computersysteme austauschen.

Dell will sein Service-Spektrum nun zügig ausbauen. An der Betreuung von großen Auslagerungen wie sie die Konkurrenten übernehmen, hat die Firma aber kein Interesse. Bachmann: „Wir wollen die IT unserer Kunden nicht übernehmen, wir wollen sie entlasten.“ 400 Mitarbeiter kümmern sich derzeit um das Service-Geschäft in Deutschland. Neueinstellungen sind geplant.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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