US-Konzern
Liberty übernimmt Unitymedia

Die zweitgrößte deutsche Kabelgesellschaft Unitymedia wird vom US-Kabel- und Medienkonzern Liberty Global übernommen. In der deutschen Medienbranche bahnt sich damit die größte Übernahme seit Jahren an. Der US-Konzern ist bereit für das deutsche Unternehmen eine stolze Summe zu zahlen.
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FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der US-Konzern Liberty Global , der wie Liberty Media zum Reich des amerikanischen Kabel- und Medienmoguls John Malone gehört, übernimmt den hochverschuldeten deutschen Kabelnetzbetreiber Unitymedia. Es sei ein Kaufpreis von rund 3,5 Milliarden Euro vereinbart worden, teilten beide Unternehmen mit. Etwa 1,5 Milliarden Euro davon machen die Schulden des Kabelkonzerns aus. Der Abschluss wird für die erste Jahreshälfte 2010 erwartet, wenn die zuständigen Wettbewerbsbehörden zustimmen.

Nach der Vereinbarung wird die deutsche Unitymedia aber auch gezwungen, sich neu zu verschulden. Denn die Übernahme soll zum Teil über einen Kredit von Unitymedia selbst in Höhe von 2,5 Milliarden Euro finanziert werden.

Es ist der größte Deal in der deutschen Medienbranche seit dem Einstieg der Investoren KKR und Permira bei Pro Sieben Sat 1. Unitymedia ist nach Kabel Deutschland der zweitgrößte Anbieter in Deutschland und hat derzeit etwa 6,4 Mio. Kunden. Die Haupteigentümer, die Finanzinvestoren Apollo und BC Partners, wollen den Kölner Konzern schon seit längerem loswerden.

An allen drei großen deutschen Kabelgesellschaften - Kabel Deutschland, Unitymedia und Kabel BW - hatten sich vor Jahren Finanzinvestoren beteiligt. Sie hofften darauf, mittelfristig einen deutschlandweiten Kabelkonzern bilden zu können. Das vereitelte die Kartellbehörde.

Eigentlich wollten Apollo und BC Partners Unitymedia deswegen Anfang nächsten Jahres an die Börse bringen. Das wird jetzt offenbar abgeblasen. Nach Angaben aus Branchenkreisen von Donnerstagabend, die damit einen Vorabbericht der "Wirtschaftswoche" bestätigten, ist aber noch nichts entschieden. "Die Wahrscheinlichkeit liegt etwas über 50 Prozent", sagte ein Brancheninsider dem Handelsblatt. Wenn beide Parteien sich einig würden, ginge alles ganz schnell. "Malone will es wissen", hieß es aus Verhandlungskreisen.

Zuvor hatte die in den bevölkerungsstarken Bundesländern Hessen und Nordrhein-Westfalen tätige Gesellschaft am Donnerstag Quartalszahlen veröffentlicht. Sie steigerte dank eines Paketangebots für digitales Fernsehen, Internet und Telefon im dritten Quartal Umsatz und Ergebnis. Die Erlöse im Kabelsegment kletterten im Zeitraum von Juli bis September um drei Prozent auf 227 Mio. Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) legte um zwölf Prozent auf 113 Millionen Euro.

Offenbar stehen Liberty Global und die bisherigen Unitymedia-Eigner schon länger in Kontakt. Angesichts des geplanten Börsengangs hätte sich Liberty-Boss Malone nun entschieden zuzuschlagen. Dafür, dass der Deal von langer Hand angebahnt ist, spricht auch das Personaltableau von Unitymedia. Sowohl CEO Parm Sandhu als auch Finanzvorstand Chris Winfrey hatten zuvor für Liberty-Boss John Malone gearbeitet.

Der Einstieg des amerikanischen Medien- und Kabelmoguls ist eine Sensation. Der Eigner von Liberty Media ist bereits vor Jahren an kartellrechtlichen Hürden gescheitert, als er die deutschen Kabelnetze von der Telekom übernehmen wollte. Malone ist im deutschen Markt bisher mit dem Düsseldorfer Einkaufssender QVC präsent.

Liberty Global ist die Europäische Gesellschaft von Malone, die etwa in den Niederlanden, der Schweiz oder Ungarn mehrere Kabelnetze betreibt. Eigenen Angaben zufolge hat der Konzern mehr als 14 Mio. Kunden in 17 Ländern. Liberty Global gilt als einer der größten Kabelkonzerne außerhalb der USA.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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