US-Medien
New York Times und Wall Street Journal suchen Wege aus der Gratisfalle

Rupert Murdoch gibt den Startschuss zum Kampf gegen die Gratiskultur im Internet. Entsprechende Versuche der US-Printbranche sind in der Vergangenheit mehrfach gescheitert. Nur das Wall Street Journal ist mit bezahlten Inhalten online erfolgreich. Dem Rest der Printmedien machen Experten wenig Hoffnung.

NEW YORK. "Wir werden unsere Inhalte im Internet wohl gratis anbieten. Anstelle von einer Million Abonnenten könnten wir dann mindestens zehn bis 15 Millionen in jeder Ecke der Welt haben."

Rupert Murdoch hatte 2007 gerade das "Wall Street Journal" (WSJ) übernommen, als ihm dieses Zitat über die Lippen rutschte. 18 Monate später hat sich nicht nur die Welt gedreht, sondern auch Medienzar Murdoch: Es müsse sich ändern, "dass Menschen Informationen gratis im Internet lesen", poltert Murdoch jetzt.

Laut US-Medienblog "The Daily Beast" hat der 78-Jährige in seinem Konzern News Corp. einen globalen Expertenstab eingerichtet, um ein System für kostenpflichtige Inhalte zu entwickeln. Mit der Aufgabe soll der frühere AOL-Chef Jonathan Miller betraut sein, der gerade erst zu News Corp. wechselte und als Chef der Sparte Digital Media direkt an Murdoch berichtet. Damit gibt der führende Zeitungsverleger (neben WSJ u.a. "The Times", "Sun" "New York Post") den Startschuss zum Kampf gegen die Gratiskultur im Internet.

Entsprechende Versuche der US-Printbranche sind in der Vergangenheit bereits mehrfach gescheitert. Die "New York Times" hat Monatsgebühren für bestimmte Kolumnen im Internet getestet, brach den Test aber bald nach der Einführung wieder ab. Die "Los Angeles Times" verlangte fünf Dollar pro Monat für die Nutzung ihres Internetportals, doch die Leser wandten sich ab.

Unter den großen Medien-Adressen ist allein das WSJ mit bezahlten Inhalten (Paid Content) im Internet erfolgreich. Die führende US-Wirtschaftszeitung macht mit ihrem Portal wsj.com rund 100 Millionen Dollar Umsatz, weil sie einen Teil ihrer Nachrichten im Internet nur zahlenden Abonnenten zur Verfügung stellt. Die britische Konkurrentin "Financial Times" kommt immerhin auf 110 000 zahlende Online-Kunden, ist damit aber von den Erlösen bei "wsj.com" noch weit entfernt.

Dem großen Rest der Printmedien machen Medienexperten wenig Hoffnung: "Wall Street Journal" und "Financial Times" seien Ausnahmen für eine reiche Elite, die Informationen benötige, um Investment-Entscheidungen zu treffen, glaubt der Londoner Medien-Professor Roy Greenslade. Anbieter genereller Nachrichten hätten derweil keine Chance, Bezahlinhalte im Internet durchzusetzen: "Wir leben in einem Umfeld freier Medien, freier Nachrichten, freier Information", sagte Greenslade dem Fernsehsender CNN.

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