US-Medienkrise
Detroiter Zeitungen in Not

Täglich kommen neue schlechte Nachrichten aus Detroit. Diesmal allerdings nicht von den Autoherstellern, sondern aus einer ähnlich angeschlagenen Branche: den US-Medien. Die beiden größten Tageszeitungen am Ort, die „Detroit Free Press" und die „Detroit News", werden offenbar bald nur noch drei Mal pro Woche ausgeliefert. Den Rest der Zeit sollen sich die Leser im Internet informieren.

NEW YORK. So sieht es ein Szenario des Verlags vor, aus dem das „Wall Street Journal" zitierte. Demnach gibt es die Zeitungen künftig lediglich an den „lukrativsten Tagen" Donnerstag, Freitag und Sonntag. Dazwischen würden Mini-Ausgaben gedruckt, ansonsten sollten sich die Leser auf den Online-Seiten informieren.

Noch habe man über den Plan oder mögliche Entlassungen nicht entschieden, hieß es bei Detroit Media Partnership, unter dessen Dach die Blätter erscheinen. Firmenchef David Hunke ließ lediglich wissen, dass er die Mitarbeiter Anfang der Woche informieren wolle. Es gebe „verschiedene Szenarien", schrieb er in einer E-Mail an die Belegschaft, wie die „Free Press" berichtete. Die auflagenstärkere der beiden Zeitungen (knapp 300.000) gehört zum größten US-Zeitungskonzern Gannett. Der Verlag hat vergangene Woche einen Umsatzrückgang im Zeitungsgeschäft von 18 Prozent allein in den ersten beiden Monaten des vierten Quartals gemeldet. Und die MediaNews Group, zu der die „Detroit News" (Auflage: knapp 180.000) gehört, wurde soeben erst von der Ratingagentur Moody’s herabgestuft. Die Auflagen beider Detroiter Blätter sollen in den vergangenen Jahren um 15 beziehungsweise 22 Prozent eingebrochen sein.

"Free Press" und "News" wären die ersten großen Lokalblätter in Amerika, die Belieferung und Umfang drastisch zurückfahren und ins Internet flüchten. Im Oktober hatte die renommierte überregionale Tageszeitung Christian Science Monitor angekündigt, künftig nur noch online zu erscheinen.

Die US-Medien leiden unter einer massiven Anzeigenkrise und haben mit der Abwanderung ihrer Leser ins Internet zu kämpfen. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte wird 2009 jede zehnte Publikation entweder seltener erscheinen, vollständig online gehen oder ganz dicht machen, berichtete die „Financial Times". Anfang vergangener Woche hatte der US-Medienkonzern Tribune Insolvenz angemeldet, dem zwölf Zeitungen – darunter die „Los Angeles Times"– sowie 23 TV-Sender gehören. Das Magazin „Newsweek" will Berichten zufolge seine Auflage von 2,6 Mio. Heften drastisch reduzieren und Büros schließen. Und selbst die traditionsreiche „New York Times" braucht dringend Geld: Das eigene Verlagsgebäude in Manhattan soll beliehen werden, um weiterhin flüssig bleiben zu können.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik
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