US-Mehrheitseigentümer Interpublic ist mit Ertragslage der Werbeagentur unzufrieden
Springer & Jacoby baut Struktur um

Springer & Jacoby, eine der führenden deutschen Werbeagenturen, verordnet sich eine Schlankheitskur und gibt sich eine neue Struktur. Das von Firmengründer Reinhard Springer ins Leben gerufene System eigenständiger Geschäftseinheiten soll dabei verschwinden.

HAMBURG. Statt in den so genannten „Units“ wollen die beiden Agenturchefs Oliver Schwall und Erik Heitmann ihre Mitarbeiter zielgerichtet für einzelne Kunden und Budgets einsetzen. „Es wird nicht mehr vorkommen, dass zwei Geschäftseinheiten für den gleichen Kunden ein neues Werbekonzept entwickeln, nur weil dieser dies wünscht“, sagt S&J-Chef Heitmann.

Mit dem Umbau und einem neuen Preissystem reagiert die Werbeagentur auf einen kräftigen Gewinnrückgang. „Wir haben deutlich an Ertrag verloren“, sagt Heitmann. Grund hierfür sei, dass bei gleichbleibenden Personalkosten die Etats der werbungtreibenden Wirtschaft immer knapper werden. „Die goldenen Zeiten der Werbewirtschaft kommen nicht wieder“, sagt Oliver Schwall.

Exakte Zahlen zu Ertrag, Umsatz sowie Mitarbeitern will der S&J-Chef mit Rücksicht auf die börsennotierte amerikanische Konzernmutter aber nicht nennen. Die US-Werbe-Agenturgruppe Interpublic ist mit 51 Prozent an der Werbeagentur beteiligt. Sie moniert schon seit längerem, dass die Hamburger immer weniger Geld an die Holding ausschütten, heißt es in Unternehmenskreisen.

Die traditionsreiche Werbeagentur hatte sich erst vor zwei Wochen überraschend von ihren beiden Deutschland-Chefs Alexander Schill und Jörg Schultheis getrennt. Damit hatten die Anteilseigner den bisherigen vierköpfigen Holding-Vorstand aufgelöst. Auslöser für die Neuausrichtung war, dass Großkunden wie der Stuttgarter Autobauer Mercerdes-Benz sowie die Brauerei Veltins mit den Leistungen der Hamburger unzufrieden waren. Das Gerücht, dass die beiden Kunden sogar ihre millionenschweren Etats von Springer & Jacoby abziehen wollten, wiesen die beiden Agenturchefs allerdings zurück.

Springer & Jacoby ist kein Einzelfall. Deutsche Kreativschmieden leiden schon seit mehreren Jahren unter erheblichem Ertragsrückgang, weil die Industrie und viele mittelständische Unternehmen ihre Werbeausgaben drastisch gekappt haben. „Die Werbeausgaben sind von 2001 bis 2003 um rund 4,5 Mrd. Euro zurückgegangen“, sagt ein Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW). Allein 2001 und 2002 sanken die Werbeausgaben jeweils um mehr als fünf Prozent.

Im vergangenen Jahr kam es hingegen zur Trendwende. Erstmals verzeichnete der Verband ein Wachstum von einem Prozent auf knapp 30 Mrd. Euro. Doch im laufenden Jahr ist die Lage an der Werbemärkten weiterhin angespannt. Der Verband geht davon aus, dass die Werbeausgaben der Unternehmen 2005 stagnieren oder leicht zulegen. „Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr zumindest wieder ein Plus von einem Prozent erreichen“, sagt ein ZAW-Sprecher.

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