US-Printjournalismus
Milliardäre umkreisen „NY Times“

Die rennonnierte US-Tageszeitung "New York Times" steuert auch in diesem Jahr auf hohe Verluste zu. Offenbar will nun der Hollywood-Unternehmen David Geffen den Verlag übernehmen und in eine Non-Profit-Organisation umwandeln. Doch bisher lehnt die Eigentümer-Familie Sulzberger-Ochs einen Verkauf ab.

NEW YORK. In den Existenzkampf der renommierten US-Tageszeitung "New York Times" (NYT) hat sich eine weitere schillernde Persönlichkeit eingeschaltet. Offenbar will der Hollywood-Unternehmer und Philanthrop David Geffen den Verlag übernehmen und in eine Non-Profit-Organisation umwandeln. Das berichten führende US-Medien übereinstimmend, die betroffene NYT inklusive. Sie beruft sich auf Informationen aus dem engen Umfeld Geffens. Der im New Yorker Stadtteil Brooklyn aufgewachsene 66-Jährige sitzt nach einer erfolgreichen Karriere als Musikunternehmer (Asylum Records) und Mitbegründer des Hollywood-Filmstudios Dreamworks auf einem Milliardenvermögen.

Bisher lehnt die Eigentümer-Familie Sulzberger-Ochs einen Verkauf ihres journalistischen Aushängeschilds jedoch konsequent ab. Sie kontrolliert die NYT seit 113 Jahren über eine Stiftung, die 90 Prozent der Klasse-B-Aktien hält und zehn der 15 Boardmitglieder bestimmt. Fehlinvestitionen, hohe Schulden sowie ein eklatanter Einbruch im Anzeigenmarkt haben die Familie jedoch schwer in die Bredouille gebracht. Nach einem Minus von 57 Mill. Dollar 2008 steuert die NYT im laufenden Jahr auf deutlich höhere Verluste zu. Um die Firma liquide zu halten, musste zu Jahresbeginn bereits der mexikanische Multimilliardär Carlos Slim mit einem Kredit über 250 Mill. Dollar aushelfen. Als Gegenleistung erhält Slim außerordentlich hohe Zinsen, die den Verlag mit bis zu 35 Mill. Dollar pro Jahr belasten, sowie eine Beteiligung von bis zu 17 Prozent an der Firma. 20 Prozent der Anteile liegen noch beim Hedge-Fonds Harbinger Capital, der nach hohen Verlusten als verkaufswillig gilt. Geffen soll für die Harbinger-Anteile bereits geboten haben, allerdings nur den aktuellen Marktpreis von 190 Mill. Dollar.

Geffens Umwandlungsplan in eine Non-Profit-Organisation werde bei der NYT auch verlagsintern bereits diskutiert, schreibt die "Newsweek". Das könne ein Modell sein, um die Unabhängigkeit in Zeiten der Krise zu wahren. Als Beispiel einer Nonprofit-Struktur gilt die in Florida erscheinende St. Petersburg Times, die der renommierten Journalistenschule "Poynter Institute" gehört.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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