US-Zeitungen in der Krise
Amazon-Chef kauft „Washington Post“

Sie ist weltberühmt und preisgekrönt. Doch die Eigentümer sehen in ihr kein Geschäftsmodell mehr: Die „Washington Post“ wird verkauft – an Amazon-Gründer Jeff Bezos. Der Star-Unternehmer hat ambitionierte Pläne.
  • 13

New YorkDie meisten Mitarbeiter ahnten noch nichts, als die Chefs der „Washington Post“ am Montag um 16.30 Uhr zu einer außerordentlichen Versammlung baten. Der Flurfunk meldete, es gebe Neuigkeiten zum Verkauf des Verlagsgebäudes in der US-Hauptstadt und zur Frage, wo die Redakteure künftig arbeiten würden. Bereits dies wäre für die Mitarbeiter ein „unvorstellbarer Umbruch“ gewesen, schrieb „Post“-Starjournalist Ezra Klein später. Doch wie sich nach der Konferenz zeigte, seien „noch viel größere Umbrüche“ möglich als der Verkauf des Gebäudes.

Es ist wahrlich ein Umbruch, den das Management der mit Auflagenschwund kämpfenden Zeitung dann am Montagnachmittag Ortszeit zu verkünden hatte: Die „Washington Post“, eine der bekanntesten Tageszeitungen der Welt, wird zusammen mit mehreren kleineren Blättern für 250 Millionen Dollar verkauft.

Und zwar an Jeff Bezos, den Gründer und Chef des weltgrößten Online-Kaufhauses Amazon – als Privatperson. An Bezos, den Multimilliardär. Bezos, den Unternehmer, der viel Geld in Projekte wie eine Firma für kommerzielle Raumfahrt gesteckt hat, in eine ewige Uhr in einem Stollen in Texas oder in Patente wie Airbags für Handys. „Ich bin schockiert, wie alle anderen“, gestand „Post“-Redakteur Klein auf der Webseite seines eigenen Arbeitgebers.

Die überraschenden Neuigkeiten, die am Montag nach Börsenschluss über die Ticker liefen, waren am Abend eines der wichtigsten Themen in den US-Medien. Es ist ja nicht irgendeine Zeitung, die da den Besitzer wechselt. Die „Washington Post“ gehört zu den Ikonen der amerikanischen Medien, ein Hauptstadtblatt, das weltweit gelesen wird. Enthüllungen wie die Watergate-Affäre, die zum Rücktritt von US-Präsident Nixon geführt hatte, haben die „Post“ berühmt gemacht.

Gleichzeitig ist der Deal ein Alarmzeichen für die ganze gebeutelte Branche: Die Verleger-Dynastie Graham, die die „Post“ seit 80 Jahren kontrolliert, verabschiedet sich von ihrem wichtigsten Produkt. „Eine der Kronjuwelen unter den Zeitungen wird von einer der Königlichen Familien der Branche aufgegeben“, schrieb die „New York Times“.

Doch alles Renommee half der „Post“ nichts gegen den dramatischen Auflagenschwund, mit dem das Blatt ebenso wie alle anderen US-Tageszeitungen seit Jahren zu kämpfen hat. Hatte die Zeitung zu Spitzenzeiten im Jahr 1993 noch eine Auflage von mehr als 830.000 Stück, so schrumpfte sie bis zum Frühjahr dieses Jahres auf rund 470.000 zusammen. Gleichzeitig brachen die Anzeigenumsätze ein. Die Folge: Die Verluste verdoppelten sich im vergangenen Jahr von rund 21 auf knapp 54 Millionen Dollar. Schließlich wurde das Geld so knapp, dass sich der börsennotierte Verlag Washington Post Company gezwungen sah, die Zentrale im Zentrum der Hauptstadt zum Verkauf zu stellen.

Kommentare zu " US-Zeitungen in der Krise: Amazon-Chef kauft „Washington Post“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @clolide
    Um Ihre Frage zu beantworten: Nein! Hennen sind keine natürlichen oder juristischen Personen und können dadurch auch nicht Träger von Rechten und Pflichten sein. Da Hennen leider keine rechtswirksamen Verpflichtungen eingehen können, muss ich Eier weiterhin von dort beziehen, wo rechtswirksame Verpflichtungen vereinbart werden können. So sehr ich die damit verbundenen Umstände auch bedaure, meine Geschäfte nicht unmittelbar mit den jeweiligen Erzeugern machen zu können.

  • Genaauuu Meister Lebemann, wir sind alles dumme Herdentiere und der Zwischenhandel ist voll blöde..daher kaufen Sie auch Ihre Frühstückseier direkt bei der Henne, gelle...wollte gerade ein Brett (..für die Stirn) bei einem Baum kaufen..aber der arogante Lümmel reagiert auf keines meiner Angebot...

  • @useAK47: leider ist nix angekommen. Was soll auch ankommen von jemandem der zum Waffengebrauch aufruft und ansonsten nix als heisse Luft produziert? Bitte setzen Sie sich mit den Feinheiten der deutschen Sprache auseinander, es wird Ihnen guttun.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%