USA machen Druck Verschlüsselungsdienste geben auf

Die USA schaffen mit ihrem Spähprogramm das Briefgeheimnis im Internet faktisch ab. Drei deutsche E-Mail-Anbieter bieten sich als Alternative an: Sie versprechen, dass die Nachrichten der Nutzer geheim bleiben.
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Wer seine Nachrichten geheim halten will, sollte sie verschlüsseln. Quelle: dpa

Wer seine Nachrichten geheim halten will, sollte sie verschlüsseln.

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DüsseldorfDie amerikanische Rechtsprechung garantiert das Briefgeheimnis. Im Internet bleibt davon aber nicht mehr viel übrig, wie ein aktueller Fall drastisch zeigt: Lavabit, ein Dienst für verschlüsselte E-Mails, hat offenbar unter dem Druck der US-Behörden geschlossen. Er habe vor der Alternative gestanden, sich an „Verbrechen gegen das amerikanische Volk“ schuldig zu machen oder aus dem Geschäft zu gehen, teilte Eigentümer Ladar Levison in einer verbitterten Nachricht an die Nutzer mit.

Wenige Stunden später machte auch die US-Firma Silent Circle ihren Dienst für verschlüsselte E-Mails dicht. Es habe noch keine Durchsuchungsbefehle gegeben, wie sie schreibt, aber: „Wir erkennen die Zeichen der Zeit.“ Nach dem Motto: Lieber den Betrieb einstellen als Daten rausgeben. Immerhin bietet Silent Circle noch andere Dienste an.

Lavabits Kampf gegen die übermächtigen USA

Was bei Lavabit genau geschehen ist, lässt sich nur erahnen, denn die Firma darf sich dazu nicht äußern. Doch der Fall weckt Erinnerungen: Auch Internet-Konzerne wie Google, Facebook und Microsoft dürfen nicht offenlegen, welche Nutzerdaten der Geheimdienst NSA bei ihnen sammelt. Beides passt zusammen: Es sieht ganz so aus, als ob die Schnüffler mit dem Vorgehen gegen geheime E-Mails einen blinden Flecken ihres Überwachungsapparates beseitigen wollen.

Aus Sicht des Geheimdienstes wäre die Schließung nachvollziehbar. Unverschlüsselte E-Mails sind so wenig geheim wie Postkarten; der Inhalt verschlüsselter Nachrichten ist dagegen vor den Augen und Algorithmen der Staatsschnüffler geschützt, sofern diese nicht auf den Rechner des Absenders oder Empfängers zugreifen können. Auch der Whistleblower Edward Snowden, derzeit im Visier der US-Ermittler, soll Lavabit verwendet haben – das erklärt womöglich das rabiate Vorgehen gegen das Unternehmen.

Das Ende von Lavabit und Silent Circle bedeutet: Es wird für Amerikaner schwieriger, im Internet geheim zu kommunizieren. Mit Programmen wie Pretty Good Privacy (PGP) ist das zwar weiterhin möglich (eine Anleitung finden Sie hier), viele Nutzer sind aber nicht in der Lage, sie einzusetzen. „Ich würden jedem dringend davon abraten, seine Privatsphäre einer Firma anzuvertrauen, die eine physische Verbindung zu den USA hat“, schreibt der Lavabit-Eigentümer Levison.

Für mehrere deutsche Unternehmen könnte die Abhöraffäre dagegen eine Chance bedeuten: Die Internetanbieter Web.de und GMX sowie die Deutsche Telekom wollen die Kommunikation mit der Initiative „E-Mail made in Germany“ sicherer machen. Schreiben Nutzer der Dienste sich untereinander Nachrichten, sollen diese künftig automatisch verschlüsselt übertragen und nur in deutschen Rechenzentren gespeichert werden, teilten die Betreiber am Freitag mit. Auch andere Anbieter sollen sich der Initiative anschließen können.

„Die jüngsten Berichte über mögliche Zugriffe auf Kommunikationsdaten haben die Deutschen stark verunsichert“, erklärte Telekom-Chef René Obermann. Die Initiative mache daher die E-Mail-Kommunikation in Deutschland sicherer. Absolute Sicherheit könne das System indes nicht garantieren, erklärte Jan Oetjen, Chef von Web.de und GMX, dem Focus. Es schütze zwar vor den Überwachsungsaktionen Prism und Tempro, aber: „Wir wissen natürlich nicht, welche Methoden künftig noch erfunden werden. Wenn zum Beispiel die Betriebssysteme infiltriert sind, haben auch wir keine Chance.“

Die Anbieter verschlüsseln die Nachrichten jedoch nicht auf dem gesamten Übertragungsweg: Sie liegen unverschlüsselt im Postfach des Nutzers und damit auch auf den Servern des Anbieters. Das Blog Netzpolitik.org kritisierte den Schritt daher als „reine Marketing-Kampagne für eine längst überfällige Einstellung“ der Technik. „E-Mail made in Germany“ sei für normale Kunden einfach zu nutzen, versierte Nutzer hätten aber weiterhin die Möglichkeit, eine zusätzliche Verschlüsselung vorzunehmen, betonte Telekom-Sprecher Philipp Blank auf Anfrage von Handelsblatt Online.

Bereits jetzt gibt es in Europa Dienste, mit denen Nutzer geheim und verschlüsselt kommunizieren können, Posteo etwa. Die niederländische Firma Surfboard Holding, die die anonyme Suchmaschine Ixquick betreibt, baut mit Startmail derzeit einen solchen Dienst auf.

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19 Kommentare zu "USA machen Druck: Verschlüsselungsdienste geben auf"

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  • geheimdienste und ihre auftraggeber werden immer einen weg finden/ organisieren sich zugang zu gewünschten informationen zu verschaffen.
    wenn dann aber die geheimnisse nicht mehr geheim bleiben weil sie kommerziell aus gebeutet werden wird es problematisch
    oder meint ihr die mitarbeitenden firmen sind da ganz selbstlos

    und nun überlegt noch mal was zu tun ist

  • @Echnaton192

    "Aber Rechner zu übernehmen (selbst wenn Windows drauf läuft) ist so dermaßen viel schwieriger als einfach nur eine Datenbankabfrage über gespeicherte, unverschlüsselte Daten zu machen, dass das jetzige Ausmaß der Überwachung nicht mehr praktikabel ist."

    Leider ist das nicht so, wenn man - wie die NSA - die (inzwischen bestätigte) Hilfe von Microsoft in Anspruch nehmen kann. Eine der Möglichkeiten ((Automatic Root Certificates Update) ein Bein in die Tür der 'sicheren' und 'verschlüsselten' Kommunikation zwischen Providern und Nutzern zu bekommen ist gut beschreiben unter: <http://www.heise.de/ct/artikel/Microsofts-Hintertuer-1921730.html>.

    Ohne weitere Maßnahmen ist dagegen auch die jetzt angekündigte Initiative deutscher Provider (gesicherte und verschlüsselte email-Übermittlung) wirkungslos.

  • http://techcrunch.com/2013/06/17/encrypting-your-email-works-says-nsa-whistleblower-edward-snowden/

    Verschlüsselung ist sicher. Der Aufwand für heutige rechner lächerlich gering. Problematisch sind die beiden Endpunkte der kommunikation. Aber Rechner zu übernehmen (selbst wenn Windows drauf läuft) ist so dermaßen viel schwieriger als einfach nur eine Datenbankabfrage über gespeicherte, unverschlüsselte Daten zu machen, dass das jetzige Ausmaß der Überwachung nicht mehr praktikabel ist.

    Sich auf dem Boden in fötaler Haltung zusammenzurollen "ich kann gar nichts machen, Verschlüsselung ist völlig unnütz" oder wie in Ihrem Fall die totale Überwachung in Duldungsstarre hinzunehmen, erscheint mir für einen Deutschen, der seine Lehren aus zwei Diktaturen in den letzten hundert Jahren gezogen haben sollte, nicht gerade die ehrenwerteste Haltung zu sein, mein Herr.

  • dieser obama wird zu einem echten problem!!!

    wer glaubt daran
    dass es abschließende sicherheit gibt
    keiner (sollte es)
    denn ein schloss ein schlüssel
    ist wie der zaun der uns kindern den zugang zum apfelbaum mit den besten früchten versperrte
    einer fand immer eine lösung einen weg

    Diese verschlüsselungsprogramme sind doch wie die panzersperren aus strassenbahnwagen und pflastersteinen zum ende des 2.w.kriegs
    unnütz
    sie kosten zeit resourcen und
    stacheln diese egghaeds/nerds überall auf dieser erde nur noch mehr an bzw.auf
    und
    es wird immer einen geben der ruft
    „Ick bün al dor!“

    und nun überlegt mal wie das problem zu lösem ist!

  • Man kann es eigentlich kaum glauben, dass auch Unternehmen das alles so mitmachen. Gerade da ist IT-Sicherheit doch so wichtig. Wer sich für das Thema interessiert, findet hier ( http://bit.ly/1bicU10 )einen guten Fachartikel dazu. Er zeigt, wie einfach es eigentlich sein kann, sich als Unternehmer gegen Datenspionage zu wehren. www.marquardt-strategie.de

  • USA: Land der UN-begrenzten UN-möglichkeiten.

  • Völlig richtig - man muss misstrauisch sein wobei ich die Kollaboration eines mittelgroßen Unternehmens wie GMX/Web.de als wesentlich schwieriger geheimzuhalten einstufe als die von Konzernen wie der Telekom, die ich auch von innen kennenlernen durfte und wo die Linke grundsätzlich nicht weiß, was die Rechte tut.

    Bei GMX ist es aber nicht damit getan, dass der Geschäftsführer mit Trenchcoat und Schlapphut von einem geheimen Treffen zurückkomt, mit einer CD in der Hand und dem von der NSA/BND erzeugten Masterkey und seine Mitarbeiter auffordert, den jetzt zentral zu installieren. Daran glaube ich nicht, auch nicht an US-Gestapo-Methoden wie jetzt bei Lavabit & Co - das würde an die Presse weitergereicht, vom Praktikanten, vom Kollegen des Kollegen, es gibt immer eine ganze Handvoll Mitwisser, das geht im technischen Bereich nicht anders

    ABer in jedem FAll - Abschließende Sicherheit bieten nur lokal installierte Programme wie z.B. hier www.gpg4win.de/

  • Oh , ein Snowden kennt TOR nicht? ...ich kann es mir einfach nicht vorstellen! Das kann nicht euer ernst sein!!!
    ....vieleicht mal checken was da wirklich los ist!?
    ab bitte nicht einschlafen!!

  • Oder denken Sie an alle die Browser-Felder auf den Webseiten, die automatisch Ihnen Ihre letzen Eingaben vorschlagen.
    Und sich Ihre Passwort merken.

    Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

  • Na, in einem hat Cucco aber recht. Es sind nicht nur staatliche stellen wie Geheimdienste oder Steuerschnüffler, die an den Daten interessiert sind.

    Jeder - auch private, der meint mit der Verknüpfung von Daten Geld zu verdienen ( oder sonst einen Vorteil zu erlangen), kann sich die Ausgangsdaten - legal oder illegal - mit Macht oder Geld - besorgen. Davon kann man ausgehen.
    Egal, ob Kreditkartendaten, Handynummern, Schufadaten, geheime schweizer Bankdaten auf CDs, Einkäufe im Supermarkt, Miles-n-More, Internet-Klicks, Sozialstrukturen - alles liegt bereit, um genutzt zu werden.

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