Valley Voice
Amazon geht in die Shopping-Offensive

Amazon testet in Seattle ein erstes Lebensmittelgeschäft, ganz ohne Kassen und Wartezeit. Konzernchef Jeff Bezos setzt auch im Supermarkt voll auf Algorithmen – und könnte damit das Einkaufserlebnis neu definieren.
  • 0

San FranciscoDas Silicon Valley hat uns bereits so einige Zivilisationskrankheiten eingebrockt. Neben Handy-Daumen und Social-Media-Narzissmus zählt dazu auch mangelnde Zahlungsbereitschaft. Wer ausschließlich Uber oder Lyft fährt, wo Kunden automatisch per App zahlen, verlässt ein gewöhnliches Taxi auch schon einmal, ohne Cash zu zücken.

Technologien haben unser Verhalten nachhaltig verändert. Amazon wendet diese Erkenntnis nun auf das Einkaufen an. So intuitiv wie Kunden online oder in einer App den Warenkorb füllen und mit hinterlegten Kreditkartendaten zahlen, soll künftig auch das analoge Shoppen von Sandwiches oder Sprudel sein.

Der Konzern hat am Montagabend den Start von „Amazon Go“ verkündet. Im neuen Geschäftskonzept checken Kunden mit Amazon-Account und entsprechender App am Eingang per Smartphone ein und können dann die gewünschten Produkte aus dem Regal nehmen und den Laden wieder verlassen – ganz ohne in der Schlange warten oder an der Kasse bezahlen zu müssen.

In der Strategie von Amazon-Chef Jeff Bezos macht dieser Schritt durchaus Sinn. Schließlich hat sich Bezos doch vorgenommen, den weltweiten Handel zu revolutionieren – von Büchern, mit denen er in den 90er-Jahren begann, über DVDs, CDs und Video-Streaming bis hin zu Möbeln und Lebensmitteln. Der Amazonas, nach dem er einst seine Firma benannte, ist schließlich ein sehr, sehr breiter Fluss.

Bei „Amazon Go“ erkennen Sensoren automatisch, welches Produkt der Kunde auswählt, wirbt Amazon. Wie beim Online-Shopping wird sein Konto später mit dem entsprechenden Betrag belastet. Angeboten werden sollen Fertiggerichte, Snacks und Getränke. Derzeit testen Amazon-Mitarbeiter die Idee in Seattle; Anfang 2017 soll auch die Öffentlichkeit dort shoppen dürfen.

Bezos hat erkannt, dass es immer Produkte geben wird, die der Kunde nicht online bestellen will, sondern sich selbst im Laden kaufen und sofort in der Hand halten will. Zudem sind Lieferservices wie „Amazon Fresh“ technisch und finanziell aufwendig und demgegenüber der Anteil von Lebensmitteln am Online-Shopping immer noch gering.

Kommentare zu " Valley Voice: Amazon geht in die Shopping-Offensive"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%